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ON TRACK

Die beste Konzeption und die tollste Ausstattung nützt bei einem Allradcamper aber nichts, wenn er nicht hält, was er verspricht. Man steht ja nicht wochenlang auf einem Campingplatz herum oder fährt nur kurze Abstecher in Nationalparks hinein, sondern ist durchaus mehrere Tage hintereinander auf unwegsamen und einsamen Tracks unterwegs, wie z.B, auf der VRD-Road oder in der Gulf Region. Daher hier ein paar praktische Erfahrungen mit dem Adventure Camper von Apollo.

Beginnen wir mit der Fahrerkabine. Die Klimaanlage war zwar nicht schlecht und ließ sich auch eingermassern vom Gesicht weg einstellen. Die meiste Zeit sind wir aber mit ausgestellten Seitenfenstern gefahren. Das sind die kleinen Fenster noch vor den Rückspiegeln. Die lassen sich wie beim alten VW-Käfer aufdrehen, so dass man von da einen schönen Luftstrahl auf den Körper gepustet bekommt. Sehr gut war auch das Cassettenradio. Ohne Musik ist es beim Fahren im Outback ziemlich öde. Also genau nachfragen undauf jeden Fall Cassetten mitnehmen, weil der Radioempfang außerhalb der großen Städte doch mehr als mäßig ist.

Das Platzangebot in der Kabine war mäßig. Mit 1,93m passte ich so gerade hinter das Steuer, den Sitz etwas nach vorne gezogen und die Lehne schräg gestellt. So war hinter den Sitzen noch Platz für eine Decke, das Kamerastativ und einen kleinen Getränkevorrat. Auf den Kindersitz in der Mitte passte so gerade eine kleine Videotasche, wenn wir den Fotorucksack vorne hatten, musste Ingrid ihn neben ihren Füßen unterbringen. Die Hüte hatten wir mit der Krempe hinter der Lehne des Mittelsitzes festgeklemmt, so waren sie beim Aussteigen immer griffbereit.

In den kleineren Fächern in der Mitte und in den Türen hatten wir Landkarten und Musikkassetten untergebracht, im Handschuhfach war gerade noch Platz für eine Packung Lemon-cookies von Arnotts und eine Halbliter-Flasche Wasser. Mehr Platz war vorne nicht. In der Mitte sind halt zwei Schalthebel im Weg. Es war insgesamt nicht unbequem, aber noch weniger Platz wäre nervig gewesen. Neuerdings gibt es noch ein Netz für Kleinkram.

Schalten und Fahren

Der Hilux hat ein Fünfganggetriebe, welches natürlich mit links geschaltet werden muss. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, vor allem, da der zweite Gang sehr weit links unten liegt. Wenn man einfach so vom ersten Gang aus nach hinten zieht, dann landet man sehr schnell aus Versehen im vierten Gang. Das ist mir am Anfang ein paar mal passiert, so kommt man natürlich kaum über die Kreuzung. Gehupt hat aber keiner, obwohl das noch in Darwin war.

Wenn man dem 3-Liter Sechszylinder richtig Leistung abfordert, so wird er ziemlich laut. Auf Dauer angenehm fährt sich der Wagen so mit 70 bis 90 km/h im fünften Gang. Im Schnitt haben wir etwa 12 Liter Diesel auf Hundert Kilometer verbraucht, bei Bleifußfahren mit 115 km/h waren es 16 Liter. Bei gleichmäßiger ruhiger Fahrweise auf dem Highway ging der Verbrauch auch schon mal runter bis auf etwas mehr als 10 Liter. Der Aufbau ist natürlich ein Brett im Wind. Viel mehr als 115 km/h sind nicht drin, da muss man sich das Überholen schon genau überlegen.

Die zwei Reservekanister ergaben zusammen mit dem bis oben aufgefüllten Tank einen Vorrat von etwa 125 Litern Diesel für etwa 1000 km Strecke, auch auf rauhen Straßen. Gegenüber den 175 Litern, die ein Long-Range Landcruiser bietet, scheint das wenig zu sein, wir sind aber immer gut damit ausgekommen. Der große Vorrat wird unserer Erfahrung nach nur auf Strecken gebraucht, die man mit einem Leihwagen sowieso nicht befahren darf, wie zum Beispiel der Canning Stock Route. Auch brauchen diejenigen Leute viel Diesel, die sich sehr lange an einem Ort im Outback aufhalten - Vogelkundler, Geologen etc. - keine Touristen. Sie lassen im Basicamp jeden Tag den Motor laufen, um ihre Batterien für den Kühlschrank und das Funkgerät wieder aufzuladen.

Auf unserer Fahrtroute im tropischen Norden haben wir die Reservekanister auf der Gibb River Road nur desshalb eingefüllt, weil wir am Mt.Barnett Roadhouse das Tanken ausgelassen hatten - um den Umgang mit den Kanistern zu erproben. Diese haben ein Belüftungsventil, welches das Schütten erleichtert. Wichtig: Nach dem Befüllen an der Tankstelle muss man dieses Ventil zudrehen, sonst laufen irgendwann ein paar Tropfen Diesel an den Kanistern herunter. Nichts schlimmes, aber es riecht auch nicht gut, wenn man hineingreift.

Sehr angenehm war bei den Fahrten mit dem Adventure Camper der Aufbau über der Kabine, wo sich das Fußende des Bettes befindet. Dadurch hatte man fast immer Schatten über der Frontscheibe, so dass die Klimaanlage oft nicht benötigt wurde.

Das Verhalten des Fahrzeugs bei Schräglage oder Steigungen war einwandfrei. Wir hatten zum Beispiel im Lichfield National Park oder auf dem Weg zur Butterfly Gorge (hier links) Steigungen und Gefälle von über 15% auf Geröll, die mit etwas Behutsamkeit zu bewältigen waren. Die Schräglagen waren nach den Fotos zu urteilen gar nicht so schlimm, am Steuer hatte man dennoch den Eindruck, gleich vom Sitz zu rutschen. Also, wenn man denkt, der Wagen fällt gleich um oder gar hintenüber, dann ist es noch lange nicht so weit.

Wenn der Weg vor einigen Tagen noch feucht war, so haben manchmal andere Fahrzeuge - meistens Toyota Landcruiser mit schmaleren Reifen - vor einem tiefe Rillen in den Matsch gefahren, die dann in der Sonne getrocknet sind. Mit den breiteren Reifen des Adventure Campers ist die Gefahr geringer, dort hinein zu rutschen. Leider haben die moderneren Varianten des Wagens inzwischen eher Strassenreifen aufgezogen.

Beeindruckend fanden wir den Fahrkomfort des Hilux gerade auf ungepflasterten Straßen. Die extra breiten Reifen mit großem Durchmesser und dabei kleinen Felgen bieten sehr viel zusätzliche Federung. Auch grobe Steine scheinen einfach zu verschwinden. Durch die Einzelradaufhängung vorn ist das berüchtigte "Wellblech" schon bei Tempo 60 kaum noch zu bemerken, außer es sind so extreme Wellen im Schotter, dass man gar nicht mehr auf dieses Tempo kommt. Bei der geringeren Geschwindigkeit hatte man bei plötzlich auftauchenden Querrillen oder ganz tiefen Löchern immer noch eine Chance, vorher zum Stehen zu kommen.

Wenn wir auf lockerem Geröll oder in Kurven mal ins Rutschen kamen, so war der Wagen wunderbar ausbalanciert und reagierte sehr neutral mit leichtem Untersteuern. Das war gut zu kontrollieren, man musste keine Angst haben, vom eigenen Kühlschrank überholt zu werden.

Extremes

Geht es ins Gelände, so hat man vor dem Allradantrieb einges zu tun. Zuerst muss man an den vorderen Radnaben den Freilauf ausschalten (siehe hier). Dann hat man beim Hilux noch einen zweiten Schalthebel mit den Positionen 2-high, 4-high und 4-low. Die erste ist die Normalposition mit alleingem Hinterachsantrieb, 4-high ist Allradantrieb und 4-low dasgleiche mit einer Untersetzung, damit noch mehr Drehmoment auf die Räder kommt. Ist der Allradantrieb aktiviert, leuchtet ein entsprechendes Symbol am Armaturenbrett. Um Reifen und Diesel zu sparen lohnt es sich, den Allradantrieb nur bei Bedarf einzuschalten.

Fahrten durch Bäche oder Flüsse waren kein Problem, solang das Wasser nicht höher als die Felgen stieg. Danach schwappte es zumindest in die 4 kleinen Zusatzfächer unten rund um den Aufbau. Mehr zur Fahrt durchs Wasser auf der Fußbadseite.

Auch bei Sand schien sich der Hilux mit seinen dicken Pfoten immer gut hindurchwühlen zu können. So hatten wir zum Beispiel einmal einen Stellplatz in einem Bachbett, wo mehrere tiefe Sandbänke hindurchliefen, die zu queren waren.

Eine Düne aus tiefen und weichen Sand ist wohl problematischer. Eine Kollegin von mir hat sich mit einem Adventure Camper im Palm Valley im Red Center festgefahren und wurde dann von hilfsbereiten Leuten aus dem Sand herausgezogen. Dabei lag der Wagen noch gar nicht auf dem Sand auf, trotzdem ging es nicht weiter. Durch die breiten Reifen kommt man anscheinend nicht mehr so tief, dass der Sand wieder Grip bietet, da sind die schmaleren Reifen wohl im Vorteil. Also, auf weichem Sand immer im Schwung bleiben und die Fahrspur nicht verlassen.

Unsere Erfahrung einige Jahre später aus West-Australien: Der Wagen hat keine Sperrdifferentiale. Wenn man einmal festsitzt, dann dreht ein Rad durch und sonst bewegt sich an der Achse nichts mehr. Dann hilft nur noch ziehen oder schieben.

Bei so ausgefahrenen und ausgewaschenen Spuren wie unten ist natürlich auch der beste Allrad überfordert. Da heißt es schaufeln oder einen Umweg durch die Botanik fahren.

Ihr habt neuere Infos? Ihr wisst mehr als wir? Ihr habt es anders erlebt? Wir haben noch eine Seite für eure Leserstimmen aufgemacht.

Video zum Thema

A Tribute to my Country

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