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Die Vorfreude auf Neufundland war greifbar, als wir den letzten Abend auf Cape Breton Island verbrachten. Die Überfahrt über die oft stürmische Cabot-Straße bildet das symbolische Tor zu einem der abgelegensten und faszinierendsten Abenteuer Nordamerikas: der Nachbarprovinz Newfoundland & Labrador.
Der Arm of Gold Campground in Little Bras d’Or ist der ideale Ausgangspunkt für die Reise auf die Atlantikinsel, und wir hatten ihn schon weit im Voraus gebucht. Am Abend vor unserem Fährtag hatte hier gerade die Saison begonnen. Nur wenige Kilometer vom Fährhafen in North Sydney entfernt, haben hier die meisten Camper und Wohnmobile dasselbe Ziel: das North Sydney Terminal von Marine Atlantic.
Der Rasen war frisch gemäht, die Waschräume frisch gestrichen und alles wirkte sehr gepflegt. Man wird bis zum Stellplatz mit einem Golfkarren plus Hund hinten drauf begleitet. Die Betreiber hier haben ihr Geschäft im Griff, es war für uns einer der schönsten Campingplätze. Auch wenn man, wie so oft, in einer Reihe nebeneinander zwischen Monstercampern und Trailern steht. Am Ende der Wohnwagenreihe blickt man auf die St. Joseph's Catholic Parish Church.
Der Morgen beginnt zeitig. Die Fahrt vom Campingplatz zum Fährterminal in North Sydney dauert kaum zehn Minuten. Auf der kurzen Strecke über den Highway 105 mischt man sich bereits unter andere Fahrzeuge, die alle in dieselbe Richtung streben. Beim Eintreffen am Fährhafen steuert man auf die Kassenhäuschen zu. Man sollte einige Stunden vor Abfahrt der Fähre am Terminal sein, seine Buchungsnummer, das Kennzeichen und die Fahrzeuglänge in Fuß parat haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Mal eben zur Fähre zu fahren und überzusetzen ist ohne vorherige Buchung kaum möglich, zumindest für Touristen in der Hauptsaison mit Auto oder Camper; im Winter mag das vielleicht problemlos klappen. Das Personal wiegt und misst bei Bedarf das Fahrzeug und weist dem Fahrer dann direkt eine bestimmte Aufstellspur zu.
Hat man seine Spur erreicht, heißt es erst einmal: Motor aus und warten. Die Fahrzeuge stehen Stoßstange an Stoßstange in langen Reihen. Dieses Warten hat jedoch sein ganz eigenes Flair. Überall steigen Menschen aus, vertreten sich die Beine, trinken Kaffee oder gehen auf die Toilette im nahen Terminalgebäude. Leider regnete es gerade und es war grau und trübe, sodass wir die meiste Zeit im Fahrzeug sitzen blieben.
Die Fährverbindung ist übrigens nicht nur ein Reiseweg, sondern ganz offiziell ein fester Bestandteil des Trans-Canada Highways (Route 1). Als einzige ganzjährige Verbindung für den Schwerlast- und Güterverkehr ist sie die zentrale Lebensader der gesamten Insel. Was für Urlauber ein beeindruckendes Reiseabenteuer ist, erweist sich logistisch und besonders in der Hochsaison als kritisches Nadelöhr: Von frischen Lebensmitteln über Postsendungen bis hin zu Treibstoff und Baumaterialien muss fast die gesamte Versorgung Neufundlands über diese Seestraße abgewickelt werden.
Vor dem Boarding müssen alle gasgetriebenen Verbraucher im Camper ausgeschaltet sein (Heizung, Herd, Kühlschrank mit Gasbetrieb) und die Gasflaschen verschlossen werden. Dafür gibt es farbige Kontrollstreifen, die am Ventil zu befestigen sind. Freien Platz im Kühlschrank und Gefrierfach sollte man mit gefrorenen Kühlakkus auffüllen, damit es möglichst lange kalt bleibt.
Unser Schiff war an diesem Tag die MV Ala'suinu. Der Name stammt aus der Sprache der Mi'kmaq-Ureinwohner und bedeutet übersetzt "Reisender". Das Schiff ist das neueste Flaggschiff in der Flotte von Marine Atlantic und seit 2024 im Dienst. Es zeichnet sich durch einen umweltfreundlichen Hybridantrieb aus, der mit Flüssigerdgas (LNG) und Batterien betrieben werden kann. An Bord erwarten einen sehr moderne Kabinen, großzügige Lounges, ein modernes Restaurantangebot und ein von der Kultur der First Nations inspiriertes Design.
Das Auffahren auf eine Ozeanfähre dieser Größe ist ein beeindruckender und gut organisierter Prozess: Ein Einweiser winkt die jeweilige Fahrzeugspur Schritt für Schritt nach vorne zur riesigen Auffahrrampe im Bug oder Heck des Schiffes. Langsam rollt man dann über die massive Metallrampe in das Innere des Fahrzeugdecks. Die Einweiser von Marine Atlantic führen jedes Fahrzeug millimetergenau an seinen Platz. Den Anweisungen des Personals ist exakt zu folgen, denn oft parkt man extrem dicht neben und hinter anderen Fahrzeugen, um den Platz optimal zu nutzen.
Es ist anzuraten, auf dem Parkstreifen in der Fähre die Rückspiegel anzuklappen. Damit man am Zielhafen schnell zurückfindet, sollte man die Bezeichnung des Standorts notieren oder per Foto festhalten. Es gibt schließlich mehrere Decks, Treppenhäuser und viele lange Parkstreifen, und man muss nach der Überfahrt wieder zum Auto oder Camper zurückfinden.
Wenn man das Fahrzeug verlässt, sollte man alles bei sich führen, was man für die Stunden an Bord benötigen könnte. Während der gesamten Überfahrt sind die Fahrzeugdecks aus Sicherheitsgründen streng verschlossen – man kann später nicht mehr zum Auto zurückkehren. Zudem sollte man gut darauf achten, dass alle elektrischen Verbraucher ausgeschaltet sind, damit die Batterie nicht entladen ist, wenn man am Ziel wieder starten will.
Haustiere kann man im Fahrzeug zurücklassen, in einer Box im Frachtraum für Haustiere auf dem Oberdeck unterbringen oder man mietet eine pet-friendly cabin, von denen es allerdings nur eine begrenzte Anzahl gibt.










Über Treppen oder Fahrstühle gelangt man vom Fahrzeugdeck direkt in den Passagierbereich. Wir hatten uns für die Überfahrt eine Kabine gebucht, die wir schnell gefunden haben.
Eine eigene Kabine auf der ca. 6- bis 7-stündigen Überfahrt nach Port aux Basques ist ein enormer Komfortgewinn. Die kleinen, funktionalen Räume bieten zwei schmale Betten, ein privates Badezimmer mit Dusche und somit einen ruhigen Rückzugsort, an dem man ungestört lesen und die Füße hochlegen kann. Wir haben vor der Ankunft geduscht, Bettwäsche und Handtücher sind vorhanden.
Durch ein Fenster blickt man auf das Meer, aber vor dem Auslaufen sind wir nach oben gegangen und haben die riesige Fähre erkundet. Ein bisschen kam am Hafen dann sogar noch die Sonne raus, später regnete es wieder. Während die Küste von Nova Scotia nach dem Ablegen langsam am Horizont verschwindet, weht hier ein steifer, salziger Atlantikwind. Mit etwas Glück lassen sich unterwegs Seevögel oder sogar Wale beobachten, aber bei dem Wetter hatten wir keine Chance.
Es gibt Bars, in denen man sein erstes Iceberg-Bier von Quidi Vidi trinken kann, leider nicht aus der ikonischen blauen Flasche. Wir sind zum Essen gegangen und haben uns Fish and Chips sowie ein Getränk bestellt. Die Bedienung war sehr nett, aber ansonsten glich das Restaurant eher einer Kantine: die Saucen und manches Essen waren komplett vorgefertigt und abgepackt. Kann man mal essen, muss man aber nicht. Lieber ein selbst geschmiertes Butterbrot einpacken.
Nach einigen Stunden auf See verändert sich die Szenerie. Durch die Bullaugen oder vom Außendeck aus zeichnet sich die raue, felsige Silhouette Neufundlands ab. Wenn die Durchsage ertönt, dass der Hafen von Port aux Basques erreicht wird und die Passagiere zu ihren Fahrzeugen gebeten werden, packt man seine Tasche, schließt die Kabinentür und begibt sich hinab aufs Deck in den Camper.
Dann rollt man hinunter. Die erste Nacht hatten wir einige Tage vorab im nahen J.T. Cheeseman Provincial Park gebucht, der nur etwa 15 Kilometer nördlich des Fährhafens Channel-Port aux Basques liegt. Es gibt gut ausgestattete Stellplätze für Wohnmobile und Zelte sowie Wanderwege, die durch Küstenwälder, über Holzbohlenpfade und entlang des Flusses Cape Ray führen. Da es bald dunkel wurde, wollten wir am Ankunftstag nicht mehr allzu weit fahren und vor allem nicht dann, wenn alle Lastwagen von der Fähre über die einzige Straße in Richtung Norden rollen.
Hier hatten wir den letzten freien Stellplatz erwischt. Das Personal dort war auf den täglichen Ansturm der Fähre eingestellt und mit bereits bezahlter Buchung wurden wir durchgewunken und bekamen einen schönen Platz im Wald – zwar mit kratzenden Ästen auf dem Dach, dafür aber ziemlich privat im Grünen.
Der Park bietet kilometerlange, feine Sandstrände entlang der Cabot-Straße. Davon haben wir aufgrund des schlechten Wetters leider nichts mitbekommen. Am nächsten Morgen sind wir dann direkt weitergefahren. Zuerst zum Einkaufen nach Corner Brook und dann weiter in Richtung Gros-Morne-Nationalpark.
Da haben wir noch gedacht, am Ende fahren wir ja noch einmal mit mehr Zeit in diesen Teil von Neufundland und nehmen dann die Nachtfähre zurück nach North Sydney. Leider hatten wir nach dem Unfall an Tag 16 dann keinen Camper mehr, mussten die Rückfahrt mit der Fähre stornieren und sind von Gander nach Halifax auf Kosten von Fraserway geflogen, um dort dann ein neues Fahrzeug zu übernehmen.
Ein erfreulicher Pluspunkt für die Reisekasse: Die Fährpreise bei Marine Atlantic sind deutlich günstiger geworden. Die kanadische Bundesregierung hat eine Preissenkung von 50 % auf die Fahrpreise für Passagiere und Passagierfahrzeuge auf den Strecken nach Neufundland beschlossen. Ziel dieser staatlichen Subvention ist es, die Transport- und Reisekosten in Atlantik-Kanada spürbar zu senken, die Mobilität zwischen den Provinzen zu erleichtern und den Tourismus sowie die regionale Wirtschaft zu fördern. Dadurch wurde die Überfahrt nach Neufundland im Vergleich zu den Vorjahren um ein Vielfaches erschwinglicher, und uns wurde sogar nach der Online-Buchung (ein Jahr vorher) ein Teil des Geldes automatisch zurücküberwiesen.















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