| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Site-Map | HOME |
| Beobachtungen |
Iceberg Alley ist die Bezeichnung für den Küstenbereich von Labrador und Newfoundland in dem Eisberge aus der Arktis auf ihrem Weg nach Süden besonders häufig auftauchen. Es handelt sich nicht um eine exakt abgegrenzte geografische Zone mit festen Koordinaten, sondern um einen Küstenkorridor, dessen Lage und Breite sich mit der Drift der Eisberge ständig verändert.
Die offizielle Tourismusbehörde beschreibt Iceberg Alley als einen Küstenabschnitt von der Küste Labradors bis zur Südostküste der Insel Newfoundland. Zu den bekannten Beobachtungsorten gehören unter anderem St. Anthony, L'Anse aux Meadows, Twillingate, Fogo Island, Bonavista, Cape Spear und Witless Bay.
Die hier treibenden Eisberge besitzen eine beeindruckende und jahrtausendealte Geschichte. Ihr Ursprung liegt tausende Kilometer weiter nördlich im ewigen Eis Grönlands.
Der Prozess beginnt mit Schneefällen im grönländischen Landesinneren. Über Jahrtausende hinweg verdichteten sich unzählige Schneeschichten durch den stetig wachsenden Druck zu massivem, bläulichem Gletschereis. Diese gewaltigen Eismassen folgen der Schwerkraft und bewegen sich langsam wie zähe Ströme aus dem Landesinneren in Richtung Ozean.
Sobald diese Gletscher die Küstenlinien und Fjorde Westgrönlands erreichen, geschieht der entscheidende Schritt, das sogenannte Kalben. Unter lautem Getöse brechen riesige Blöcke von den Gletscherfronten ab und stürzen direkt ins Meer. Etwa neunzig Prozent aller Eisberge in der Iceberg Alley stammen von den schnell gleitenden Gletschern an der Westküste Grönlands, insbesondere aus dem berühmten Jakobshavn-Gletscher.
Einmal vom Muttergletscher gelöst, treten die neugeborenen Eisberge eine lange Reise an. Sie werden von der kalten Baffin-Labrador-Strömung erfasst und nach Süden getragen. Auf diesem Weg durchqueren sie zunächst die Baffin Bay und bewegen sich entlang der verlassenen Küsten von Labrador. Die Reise ist ein langsamer Prozess, der oft ein bis drei Jahre dauert. Während dieser Zeit sind die Eisberge ständig den Kräften der Natur ausgesetzt, schmelzen teilweise, brechen auseinander oder verfangen sich zeitweise im flachen Küsteneis. Im tiefsten Winter ist Reisepause, dann sitzen die Eisberge im Packeis fest. Dann kommen ganz früh im Jahr auch schon mal Eisbären aus Labrador über das Eis ab die Nordspitze Neufundlands, die hier an der Küste Robben jagen und später wieder zurück schwimmen.
Wenn die verbliebenen Eiskolosse im Frühjahr und Frühsommer schließlich die Ostküste von Newfoundland erreichen, bilden sie das faszinierende Naturschauspiel der Iceberg Alley. Was an der Oberfläche wie ein gigantisches Monument wirkt, ist jedoch nur ein Bruchteil des gesamten Körpers, da sich etwa neunzig Prozent der Masse unsichtbar unter der Wasseroberfläche befinden. Ab und zu drehen sie sich auch oder teilen sich. Das ist immer ein ganz besonderes Erlebnis. Sobald die Eisberge weiter südlich auf das wärmere Wasser des Golfstroms treffen, beschleunigt sich ihr Zerfall sehr rasch, bis sie sich schließlich vollständig im Atlantik auflösen.
Die Hauptsaison in der Iceberg Alley erstreckt sich vom Spätfrühling bis in den Frühsommer. Die beste Reisezeit entlang der Küste Newfoundlands ist Mai bis Juni. In diesen Monaten driften die meisten Eisberge dicht an Buchten und Kap-Ausläufern vorbei. Nur an der Küste Labradors halten sich die Kolosse oft etwas länger, meist bis tief in den Juli hinein.
Der Sommerstart fiel in Newfoundland 2026 spürbar verzögert und unterkühlt aus. Ende Mai sowie über weite Strecken des Juni lagen die Temperaturen noch spürbar unter den langjährigen Durchschnittswerten. Der Hauptgrund für den kühlen Saisonauftakt war die atmosphärische Zirkulation über dem Nordatlantik. Ein anhaltender Kältetrog hatte sich über Ostkanada und Labrador festgesetzt. Solange dieser Kältetrog ortsfest blieb, hatten warme Luftmassen aus dem Süden kaum eine Chance, die Insel Newfoundland zu erreichen. So gab es 2026 sogar noch Ende Juli einen einzigen Eisberg nahe King's Point, zu dem alle pilgerten, die die Eisbergsaison ansonsten verpasst hatten.
Das Iceberg Festival findet jedes Jahr Anfang Juni an der Great Northern Peninsula im äußersten Norden Neufundlands statt. Es beginnt jedes Jahr am ersten Freitag im Juni, dauert zehn Tage und umfasste mehrere Orte, unter anderem St. Anthony, L’Anse aux Meadows, St. Lunaire-Griquet, Quirpon und Conche. Es ist dabei kein Festival im Sinne eines einzigen großen Veranstaltungsortes. Vielmehr ist es ein zehntägiges regionales Fest rund um die beginnende Eisbergsaison mit vielen unterschielichen Aktivitäten. Die Veranstalter sagen selbst, dass die Eisberge den Beginn des Frühlings im Norden markieren.
Twillingate hat seit 2026 ebenfalls ein eigenes, neues Twillingate Iceberg Festival namens Bergy Days. Das ist etwas früher und fand 2026 vom 08. bis 09. Mai statt.










Die naturgeformten Giganten der Iceberg Alley faszinieren nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch ihre Vielfalt, ihre verborgene Fracht und die Geschichten, die sich um sie ranken. Die ultimative Webseite für alle, die Eisberge suchen ist der Iceberg Finder, auch als APP für das Smartphone. Eine weitere gute Quelle sind diverse, sehr aktive facbook-Gruppen.
Die International Ice Patrol unterscheidet Eisberge anhand ihrer sichtbaren Silhouetten in zwei Hauptkategorien und mehrere Unterformen: Tafel-Eisberge (Tabular) sind flache, steil abfallende Eisblöcke mit einer ebenen Oberseite, die meist von Eisschilden abbrechen.
Nicht-Tafel-Eisberge (Non-Tabular) können sehr unterschiedliche Formen haben. Man unterscheidet sie in Pinnacled (Gipfelform, bei der eine oder mehrere steile Spitzen emporragen), Dome (Kuppelform mit abgerundeten, glatten Oberflächen), Wedge (Keilform, an einer Seite steil steigend, zur anderen flach auslaufend), Drydock (Trockendock, weil der Berg in der Mitte ausgehöhlt ist, sodass U-förmige Kanäle entstehen) und zu guter Letzt noch Blocky (Blockform, einfache quadratische oder rechteckige Eisblöcke mit steilen Wänden).
Dass Eisberge überhaupt in diesem leuchtenden Weiß bis Türkisblau erscheinen, hat mit ihrer inneren Struktur zu tun. Frischer, wenig verdichteter Gletscherschnee enthält noch sehr viele winzige Luftbläschen, an denen das einfallende Sonnenlicht in alle Richtungen gestreut wird – das Ergebnis ist der vertraute, blendend weiße Farbeindruck. Je älter und tiefer das Eis im Gletscher lag, desto stärker wurde es über Jahrhunderte zusammengepresst, wodurch immer mehr Luft herausgedrückt wird. In diesem sehr dichten, nahezu blasenfreien Eis kann das Licht tiefer eindringen, bevor es reflektiert wird; dabei absorbiert das Eis bevorzugt die langwelligen roten Anteile des Sonnenlichts, während die kurzwelligen blauen Anteile zurückgestreut werden. So entsteht der charakteristische, teils intensiv türkisblaue Farbton, den viele der ältesten und dichtesten Eisberge in der Iceberg Alley zeigen.
Ein besonders auffälliges Detail vieler Eisberge sind feine, leuchtend blaue Adern, die sich wie Ströme durch das ansonsten weiße Eis ziehen. Sie entstehen bereits auf dem grönländischen Gletscher, lange bevor der Eisberg überhaupt kalbt: Im Sommer sammelt sich Schmelzwasser auf der Gletscheroberfläche und sickert in Risse und Gletscherspalten ein. Dort gefriert es erneut, aber unter ganz anderen Bedingungen als der umgebende, luftreiche Schnee. Das wiedergefrorene Schmelzwasser enthält kaum eingeschlossene Luftbläschen und ist dadurch besonders klar und dicht. So erscheint es wie das zusammengepresste Grundeis blauer als das sie umgebende Schnee-Eis, es stecke dasselbe physikalische Prinzip dahinter wie oben beschrieben. Kalbt der Gletscher schließlich, zeigt sich dieses Adernmuster als eingefrorene Momentaufnahme alter Risse direkt auf der Außenseite des treibenden Eisbergs.
Eisberge sind keineswegs nur gefrorenes Süßwasser. Auf ihrer Reise führen sie unbemerkt verschiedenste Frachten mit sich, wie etwa Steine, Kiesel, Sand und feinen Staub, den der Gletscher auf dem Festland abgeschliffen hat oder Felsen, die vom nächsten Berg mal auf den Gletscher gepurzelt sind.
In sehr seltenen Fällen tauchen in der Iceberg Alley auch ungewöhnlich dunkle oder grünlich schimmernde Eisberge auf. Ihre Farbe verdanken sie eingelagertem Gesteinsstaub und Sediment, das der Gletscher beim Abschleifen des Untergrunds aufgenommen hat und das sich in dichten Streifen oder Schichten im Eis konzentriert. Je nach Menge und Verteilung des Materials wirkt das Eis dadurch bräunlich, grau oder fast schwarz. Solche Eisberge gelten unter Beobachtern als besonders seltener Anblick und sorgen entsprechend für Aufsehen, wenn sie tatsächlich einmal vor der Küste auftauchen.
Viele mitgeführte Mineralien und Nährstoffe wie Eisen und Nitrat lagern im Eis und unterstützen nach dem Freisetzen das Wachstum von Phytoplankton, was ganze marine Ökosysteme anlockt. Beim Schmelzen löst sich dieser Gletscherdünger dann im Seewasser oder er fällt auf den Meeresgrund.
Die Bewohner Newfoundlands haben eine enge Beziehung zu den weißen Riesen entwickelt, was sich in humorvollen Bezeichnungen widerspiegelt. Es gibt Eisberge, in denen tausende Jahre alte Luftbläschen unter hohem Druck stehen. Wenn das Eis dann schmilzt, knistert und knallt es vernehmlich, wofür Einheimische den Begriff Bergy Seltzer geprägt haben.
Sehr kleine Eisberge in der Größe eines Autos, die knapp aus dem Wasser ragen und beim Umspülen der Wellen grunzende Geräusche machen, nennt man hier Growler. Sie sind oft besonders gefährlich für die Schifffahrt, weil sie wegen ihrer geringen Größe vom Radar nicht erfasst werden und bei dunkler Färbung kaum zu sehen sind. Mittelgroße Eisstücke nennt man hier Bergy Bit.
Eine alte Legende besagt, dass das Wasser in der direkten Umgebung schmelzender Eisberge tückisch und ein "Sinking Water" sei. Da Süßwasser leichter als Salzwasser ist und zudem durch austretende Gase aufgeschäumt wird, fürchteten die Fischer früher, dass ihre kleinen Holzboote dort schneller den Auftrieb verlieren könnten.
Eisberge gelten den Menschen vor Ort aber grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als Geschenk. Das jahrtausendealte Süßwasser wird traditionell gesammelt und verarbeitet. Zum Einen ist es reines Trinkwasser, daraus entstehen dann lokales Bier, Wodka oder auch kosmetische Produkte. Zum Anderen waren und sind gesammelte Eisbrocken immer als Kühlelement zum Einsatz gekommen, früher in Kellern und Erdhöhlen zum Lagern von Lebensmitteln, heute eher in Kühlboxen beim Grillen oder im Cocktail. Wir konnten an der Küste einige Leute beim Sammeln beobachten.
Iceberg Beer ist eine der bekanntesten Spezialitäten Newfoundlands, besonders berühmt durch die Quidi Vidi Brewing Company in St. John’s. Das Lager bekommt man aber meist in Dosen und selten in den ikonischen, blauen Flaschen.
Möchte man eine Bootstour zu den Eisbergen machen , so sollte man sich dafür auf jeden Fall warm anziehen. Schon direkt vor der Küste herrscht auf dem Nordatlantik selbst im Hochsommer ein ganz anderes Klima als an Land, zumal die eisigen Strömungen und die schiere Kälte der vorbeitreibenden Eisberge wie eine natürliche Klimaanlage wirken. Eine wind- und wasserdichte Außenjacke ist Pflicht, da Fahrtwind und Gischt die gefühlte Temperatur sofort nach unten drücken. Fleece oder Wolle in mehreren Schichten darunter halten die Körperwärme verlässlicher als reine Baumwolle.
Mütze und dünne Handschuhe gehören selbst im Juni oder Juli dazu, da der Wind einen auf dem offenen Deck schnell auskühlt. Auch die Schuhe sind wichtig: Rutschfeste Sohlen geben Halt auf feuchtem Deck, und dicke Socken halten die Füße warm. Nur wenn man mit einem Zodiac fährt, stellen lokale Touranbieter für die Fahrten zusätzlich dicke Thermo- oder Rettungsanzüge bereit, sonst ist man für warme Kleidung selbst verantwortlich.


















Eigenes Video zum Thema
| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |