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St. Anthony Bight ist nicht die große Hafenbucht vor St. Anthony, sondern eine kleine ehemalige Fischersiedlung beziehungsweise eine langgezogene Meeresbucht direkt nordöstlich davon. Die Siedlung liegt an einer schmalen, tief eingeschnittenen Bucht, die vom offenen Meer durch die vorgelagerten Küstenbereiche geschützt wird. Vom gegenüberliegenden Fishing Point Lighthouse hatten wir hier an der Küste zwei große Eisberge gesehen und machten uns von dort auf den Weg auf diese Seite der Bucht.
Das Wort "Bight" bezeichnet eine weit geschwungene, relativ offene Meeresbucht, kleiner als eine Bay, aber größer als eine Cove. Der Meeresarm ist von felsigen Küsten und Landzungen umgeben und dadurch wesentlich geschützter als die offene Atlantikküste bei Fishing Point. Genau das macht ihn für die Beobachtung gestrandeter Eisberge so interessant.
St. Anthony Bight ist lokal als "Iceberg Graveyard" bekannt. Eisberge, die mit dem Labradorstrom an der Küste entlangtreiben, können in die geschützten Buchten geraten und sich dort festsetzen beziehungsweise auf Grund laufen. Statt weiter aufs offene Meer zu treiben, bleiben sie zwischen den Landzungen liegen und schmelzen dann ganz langsam ab. Für die Bewohner des kleinen Ortes ist es normal, vom Küchenfenster aus einen Eisberg zu sehen.
Parken war hier mit dem dicken Camper etwas schwierig im Ort, aber wir fanden einen Platz an der Straße vor einem geschlossenen, verlassenen Haus, wo wir niemanden störten. Dann gingen wir hinunter zum malerischen Hafen mit seinen bunten Bootshäusern und schauten hinüber auf die andere Seite nach St. Anthony und in Richtung Lighthouse. Aus dieser Perspektive sahen wir auch den großen Eisberg direkt darunter, vor dem wir kurz vorher noch gestanden hatten.
Auch hier gibt es einen Touranbieter: Iceberg Alley Boat Tours.
Vor uns auf dieser Seite trieb ein wunderschöner, großer Eisberg. Besonders interessant sind die vielen "Bergy Bits", so nennt man hier kleinere Eisstücke, die nach dem Zerbrechen eines Eisbergs in der Bucht treiben. Bei entsprechendem Eisbergaufkommen kann die gesamte Bucht wie mit weißen Skulpturen übersät wirken, wenn die großen Riesen auseinanderbrechen und schmelzen. Diese können in der geschützten Bucht festliegen und über Tage oder Wochen langsam verschwinden.
Was mir an St. Anthony Bight besonders gefallen hat: Hier sieht man noch sehr viel von dem alten Newfoundland, das man in den größeren Orten kaum noch findet. Am Wasser stehen traditionelle Fishing Stages, kleine Bootsschuppen, Stege und Fischerboote. Dazwischen liegen Häuser an den Hängen, und immer wieder öffnet sich der Blick auf den langen Meeresarm. Eine schöne Mischung aus traditioneller Architektur, Fischerbooten, Holzstapeln und dahinter dann die Eisberge. Besonders aufgefallen sind uns hier die "Schrebergärten": Entlang der Hauptstrassen sieht man immer wieder provisorisch eingezäunte und umgegrabene Stücke Land von etwa 10x20 Metern Größe, manche auch noch kleiner, nur ein Beet groß. Dort gibt es fruchtbare Erde, nach Möglichkeit nicht in Hanglage, die Anfang Juni frisch bestellt wurde.











Einen besonders schönen Eisberg hatten wir bei der Anfahrt schon vor Erreichen von Saint Anthony Bight entdeckt, konnten ihn vom Ort aus aber nicht so gut sehen. Und hier kommt der Silver Point Trail ins Spiel.
Er führt zu einem Aussichtspunkt über die Küste von St. Anthony Bight und ist gerade bei Eisbergsichtungen interessant. Der Silver Point Trail gehört inzwischen zum wachsenden Wegenetz der Great Northern Trail Association. Die Straße ist unbefestigt und relativ breit, aber man darf sie offiziell mit dem Auto nicht befahren. So parkten wir den Camper bei Bobby"s Cove und liefen ein Stück den Weg entlang, um dann in Richtung Küste abzubiegen.
Der Bottom of the Bight Trail zweigt hier ab. Es ist nur ein kurzer Weg von etwa 1,1 km hin und zurück und leicht zu begehen. Er führt durch Wald zu einem kleinen Küstenbereich namens "The Bottom of the Bight". Hier findet man türkis gestrichene Picknicktische und eine Feuerstelle, wir waren ganz alleine hier unterwegs.
Und genau davor lag er, ein fantastischer Eisberg direkt vor uns. Wir konnten uns gar nicht sattsehen am Blau der Adern, die sich durch das Eis zogen. Jeder Berg ist anders, dieser war ein Prachtexemplar.
Für Eisbergfans ist St. Anthony Bight deshalb fast interessanter als die offene Küste: Bei Fishing Point sieht man die Eisberge vorbeiziehen, hier kann man beobachten, wie sie in der geschützten Bucht zur Ruhe kommen und langsam verschwinden.
Noch schöner ist, dass man den Silver Point Trail mit dem St. Anthony Bight Loop und dem Bottom of the Bight Trail verbinden kann. Der heute ausgewiesene St. Anthony Bight Loop ist etwa 2,4 km lang, wird als leicht ausgewiesen und verbindet die beiden Küstenwege. Da hatten wir uns vorher allerdings nicht gut genug informiert und waren eher spontan hier unterwegs. Als wir nach vielen Fotos zurück zum Camper gingen, kam ein Einheimischer mit seinem Quad den Weg entlang.














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