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BELL HISTORIC SITE

Am Morgen erwachten wir auf dem Riverdale RV Park in Louisbourg bei strömendem Regen und besuchten zuerst die Fortress of Louisbourg. Mit Regen und Wind war die Atmosphäre in der Nebensaison sicher eine ganz andere als im Sommer, mit weniger Besuchern, mehr Ruhe und einem fast authentischen Eindruck einer verlassenen Kolonialstadt.

Dann standen etwas über 200 Kilometer auf dem Programm, denn für die nächsten zwei Tage hatten wir einen Stellplatz auf dem Chéticamp Campground im Cape Breton Highlands National Park geplant.

Am Wegrand gab es sicher noch eine Menge zu sehen, doch bei dem Wetter hatte man kaum Lust, aus dem Auto zu steigen. Was macht man bei Regenwetter? Richtig, wir besuchten ein zweites Museum an diesem Tag. Dort war es wenigstens warm und trocken.

Wir entschieden uns für die Alexander Graham Bell National Historic Site in Baddeck. Der Parkplatz war riesig und wir fanden gleich einen Platz für den Camper. Der Museumsbesuch war bei diesem Wetter eine perfekte Wahl und entpuppte sich als deutlich interessanter, als wir erwartet hatten.

Das Museum liegt sehr schön am Bras d’Or Lake; bei gutem Wetter gehört auch der Blick vom Gelände auf den See und zu einem Leuchtturm sicher zu den Höhepunkten des Besuchs. Bänke im Park laden zum Entspannen ein und auch das Ortszentrum ist von hier aus gut zu Fuß zu erreichen.

Das Museum widmet sich nicht nur der Erfindung des Telefons, sondern dem gesamten Leben und Wirken von Alexander Graham Bell. Besonders spannend fanden wir, wie vielseitig seine Interessen waren. Die Ausstellung zeigt einen außergewöhnlich vielseitigen Forscher: Er beschäftigte sich mit Telefontechnik, Tonübertragung, medizinischen Hilfsmitteln, Schafzucht, riesigen Drachen, auch Fluggeräte und schnelle Tragflügel-Boote gehören alle zu seinem Lebenswerk. Das Museum besitzt eine der weltweit größten Sammlungen von Bell-Erinnerungsstücken, Fotos und Modellen.

Ein Schwerpunkt liegt hier natürlich auf Bells Jahren in Baddeck, wo er mit seiner Familie am Ufer des Bras d’Or Lake lebte und in seinem Labor, Beinn Bhreagh, zahlreiche Projekte verfolgte. Zu sehen sind historische Geräte, Nachbauten seiner Flugmaschinen, Flugdrachen und Boote sowie viele persönliche Einblicke in das Leben eines außergewöhnlichen Erfinders. Besonders die vielen alten Fotos, die hier auf einer großen Leinwand gezeigt werden, fanden wir sehr faszinierend. Auf Bänken sitzend kann man die Diaschau verfolgen.

Der graue Regentag passte fast zur ruhigen Atmosphäre des Museums. Hier bekamen wir einen spannenden Einblick in die Geschichte von Wissenschaft und Innovation auf Cape Breton.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf seinen Flugexperimenten in Baddeck. Der Ort am Bras d’Or Lake war für Bell ideal, denn es gab hier viel Platz, geschützte Wasserflächen und eine Landschaft, die ihn zu immer neuen Experimenten inspirierte. Auf seinem Anwesen oberhalb der Bucht arbeitete er mit der von ihm mitbegründeten Aerial Experiment Association (AEA) an der Entwicklung von Flugmaschinen. Das eindrucksvollste Exponat ist die große Nachbildung der AEA Silver Dart. Dieses filigrane Flugzeug mit seiner silberfarbenen Bespannung markiert einen Meilenstein der kanadischen Luftfahrtgeschichte. Am 23. Februar 1909 startete der Pilot J. A. D. McCurdy mit der Silver Dart von der zugefrorenen Baddeck Bay auf dem Bras d’Or Lake. Es war der erste kontrollierte Motorflug in Kanada und zugleich der erste Flug eines Motorflugzeugs im damaligen Britischen Empire. Die Maschine flog etwa 800 Meter, erreichte rund 65 km/h und stieg auf ungefähr 9 Meter Höhe. Einer der Gründer der AEA, der Motorrad-Hersteller Glenn Curtiss, gründete 1910 in den USA die Curtiss Aeroplane and Motor Company Incorporated, welche 1916 der größe Flugzeughersteller der Welt war.

Die ruhige Bucht vor dem Museum wurde im Winter zur Startbahn. Statt einer modernen Flugpiste diente die gefrorene Eisfläche des Sees als Untergrund. Zuschauer standen am Ufer und beobachteten, wie der Traum vom Fliegen Wirklichkeit wurde. Die Replik des Silver Dart in der Ausstellungshalle ist 2009 ebenfalls tatsächlich geflogen, also kein reines Schau-Modell.

Neben der Luftfahrt zeigt die Ausstellung auch Bells Experimente mit Tragflügelbooten. Sein Boot HD-4 erreichte 1919 auf dem Bras d’Or Lake einen Geschwindigkeitsrekord von über 112 km/h, das war für die damalige Zeit eine unglaubliche Leistung. Die Kombination aus Flugzeug und Boot zeigt sehr schön Bells Denkweise: Er wollte nicht nur einzelne Erfindungen verbessern, sondern grundsätzlich neue Wege der Fortbewegung entwickeln. Neben der Replik steht der ursprüngliche Rumpf, der leicht beschädigt im See die Zeit überdauert hat, heute kann man in die aufgeschnittene Konstruktion hineinschauen.

Ich hatte sehr viele Fotos gemacht im Museum, leider ist beim Überspielen an diesem Tag etwas schief gelaufen und die meisten waren weg, schade.

Nach dem Besuch im Museum fuhren wir dann direkt weiter zum Campingplatz. Gerne hätten wir noch den Uisge Bàn Falls Provincial Park mit seinem schönen Wasserfall besucht. Er liegt nur etwa 14–15 km nördlich von Baddeck, aber bei dem schlechten Wetter hatten wir dazu keine Lust mehr.














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