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DJEMAA EL-FNA

Djemaa el-Fna, ich habe mich bei den unterschiedlichen Schreibweisen jetzt für diese entschieden, ist der lebhafteste Platz von Marrakesch und wahrscheinlich der bekannteste in ganz Afrika. Seit 1922 als Kulturerbe Marokkos geschützt, schlägt hier seit Jahrhunderten das kulturelle und soziale Zentrum der Stadt. Am Eingang der Medina gelegen, ist hier ein beliebter Treffpunkt für jedermann. Ein Ort der Begegnung, an dem sich die Einwohner von Marrakesch und die zahlreichen Touristen vermischen.

Die Ursprünge des Platzes gehen auf die Gründung Marrakeschs durch die Almoraviden um 1070 zurück. Ursprünglich diente er als Treffpunkt für Händler, Reisende und Einheimische. Es war damals ein Ort, an dem Waren aus ganz Afrika, Europa und dem Mittleren Osten gehandelt wurden.

Die Bedeutung des Namens ist umstritten. "Djemaa el-Fna" bedeutet auf arabisch "Versammlung der Toten" und bezieht sich möglicherweise auf öffentliche Hinrichtungen, die dort in seinen frühen Tagen stattfanden, und aufgespießte Köpfe, die hier zu Schau aufgestellt wurden. Eine Erinnerung an die turbulenten Anfänge des Platzes.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Djemaa el-Fna dann zu mehr als nur einem Marktplatz entwickelt. Es ist das Herz des öffentlichen Lebens von Marrakesch und sicher jeder Tourist kommt mindestens ein Mal hier vorbei. Die Stimmung ist sehr unterschiedlich, je nachdem zu welcher Tageszeit man hierher kommt.

Tagsüber herrscht reges Treiben. Es werden zahlreiche Stände aufgebaut und von Textilien, handgefertigten Lederprodukten, dem üblichen Touristenkram bis hin zu traditioneller Medizin wird hier alles verkauft. Dazwischen laufen noch als Wasserträger verkleidete Manner herum, die sich gegen Geld fotografieren lassen. Früher war das ein Beruf mit der Aufgabe, Wasser an Einwohner und Reisende zu verkaufen, bevor fließendes Wasser in Marokko verbreitet war. Sie tragen einen knallrote Kapuzenmantel mit goldenen oder silbernen Verzierungen und einen breiten Strohhut, der mit bunten Quasten verziert ist.

Ganz schlimm fanden wir die Händler mit diversen Tieren in der prallen Sonne oder die Gauckler, die hier mit kostümierten Berberaffen an Ketten oder mit Schlangen arbeiten. Die berühmten Schlangenbeschwörer halten Kobra- und Natternarten, aber ihr Gift wird häufig entfernt oder ihre Zähne gezogen, was tierschutzrechtlich problematisch ist. Davon würde ich nie Fotos machen.

Wir fanden hier auf dem Platz auch nichts, was man nicht auch in den angrenzenden Gassen im Souk hätte kaufen können. Ein Schuhputzer verfolgte Michael hartnäckig, weil er wohl als einer der wenigen mit Lederschuhen unterwegs war. Die waren aber alt und die Sohle schon fast durchgelaufen, er wollte sie am Urlaubsende sowieso wegwerfen. So war mit uns leider kein Geschäft zu machen.

Wir haben auch noch nie verstanden, warum sich immer Händler mit exakt dem gleichen Anbebot direkt nebeneinander niederlassen. Das ist oft so, einer verkauft etwas und die 5 Nachbarn daneben bieten das Gleiche. Wir wollten Oliventapenade kaufen und am Rand vom Platz ist der Olivenmarkt. Sehr malerische kleine Stände, denn die Händler haben in Einmachgläsern kunstvoll Paprika, Oliven und Mandeln zu Mustern geschichtet.

Die begehrte Tapenade aus schwarzen Oliven gab es bei jedem der mindestens 6 direkt nebeneinander leigenden Stände mit dem gleichen Angebot. Wir haben dann einfach dort gekauft, wo wir die meisten Einheimischen beim Kauf beobachten konnten.

Die frischen Orangenstände sind legendär, und ein Glas Saft gehört zu den klassischen Erfrischungen, die man auf dem Platz genießen kann. Die haben wir 5 Wochen lang jeden Morgen in den Hotels zum Frühstück bekommen.

Am Abend haben wir an einem der an der Frontseite mit Plastikfrüchten geschmückten Stände, die frisch gepresste Säfte verkaufen, einen Grantapfelsaft getrunken. Die Frucht wurde aber leider komplett gepresst mit den weißen Trennhäuten im Inneren, was den Saft etwas bitter machte. Die 10 anderen Stände direkt nebenan hätten es sicher genauso gemacht, weil das mit einer Standard-Orangenpresse so viel schneller geht.








Nach Einbruch der Dunkelheit

Bei Sonnenuntergang erwacht der Platz dann zum Leben, es werden zahlreiche Food-Stände aufgebaut mit lautem Trubel und geschickter Routine. Der Grill ist noch nicht an, da wird man schon angesprochen, ob man hier nicht essen will. Dabei sehen die meisten Stände gleich aus. Angeboten werden hier Spezialitäten wie Tajine, Couscous, gegrilltes Fleisch, Schnecken und Harira - eine sättigende marokkanische Suppe. Am besten sagt man, dass man sich die Standnummer merkt und später wiederkommt, dann hat man schnell seine Ruhe. Besonders skurril fanden wir die Schwarzafrikaner, welche im Dunkeln ihr Geschäft mit Sonnenbrillen betrieben.

Die Touristen fallen in Scharen kurz vor Sonnenuntergang in den Restaurants am Rand des Djemaa el-Fna ein. Es gehötrt für viele zum Ritual, hier auf den Dachterrassen oder Balkonen einen Platz zu ergattern und dem Treiben auf dem Platz von oben zuzugucken. Natürlich spielt dabei auch der Sonnenuntergang eine extrem wichtige Rolle, den kann man aber auch von fast allen Dachterrassen in Marrakesch mit weniger Trubel und besserem gastronomischen Angebot bestaunen.

Ein Teil des Platzes verwandelt sich in ein Freilufttheater, erkennbar an den Menschenmengen und am Krach. Hier unterhalten Musiker, Tänzer, Geschichtenerzähler, Wahrsagerinnen und Künstler die Einheimischen und auch die Besucher. Gnawa-Musiker, Trommelgruppen und Straßenbands schaffen eine lebendige Atmosphäre. Künstler und Performer erwarten ein Trinkgeld, wenn man ihre Darbietungen beobachtet oder fotografiert.

Im Jahr 2001 wurde Djemaa el-Fna von der UNESCO als erster Ort in die neu geschaffene UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Dies war eine Anerkennung für die Rolle des Platzes bei der Bewahrung der traditionellen marokkanischen Praktiken des Geschichtenerzählens, der Musik und der Volkskunst.

Für uns war bei all dem Lärm, dem Gedränge und den Gerüchen und Schwaden aus den Küchen von dieser Magie eher wenig zu spüren. Insbesondere Musiker, die mit vollem Einsatz nur ein paar Meter von der nächsten Trommel- oder Gesangsperformance sich gegenseitig zu übertönen versuchten, haben uns vertrieben. Am Abend waren wir hier folglich schnell wieder weg.

Am 28. April 2011 starben bei einem Terroranschlag im Café Argana mindestens 14 Menschen und 20 weitere wurden verletzt, darunter auch Touristen. Ein schwarzer Tag in der langen Geschichte des Djemaa el-Fna. Wir beobachteten eine deutlich sichtbare Polizeipräsenz, direkt am Platz ist eine Polizeistation. Immer wieder mal entdeckten wir vereinzelt Männer mit bulliger Gestalt und Lederjacke, die - das mag ein Vorurteil sein - das Schild "Zivilpolizist" nicht tragen mussten.








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