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Nur wenige Schritte von der Slat-al-Azama-Synagoge entfernt im Südosten der Medina befindet sich der jüdischen Friedhof, ein unglaublicher Ort am Rand des jüdsichen Viertels, dessen surreale Atmosphäre in starkem Kontrast zum restlichen Marrakesch steht. Er ist außer am Samstag täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet, freitags nur bis 16:00 Uhr. Der Eintritt kostet hier wie in der Synagoge nur 10 MAD.
Durch ein breites Metalltor betritt man das Gelände. Die Anlage beeindruckt uns schon allein durch ihre Ausmaße und die Vielzahl der Gräber. Auf dem Areal dicht an dicht befinden sich zehntausende Gräber. Sie sind in getrennten Sektionen für Männer und Frauen angeordnet, am äußeren Rand im Schatten der Mauern befinden sich die Grabstätten der großen Gelehrte und Rabbiner, von denen man annimmt, dass sie die Toten schützen können. Eng stehen hier die Steine nebeneinander, oft ist dazwischen kein Durchkommen mehr möglich.
Männer sollten das Gelände nicht ohne Kopfbedeckung betreten, man bekommt am Eingang auch leihweise eine Kippa. Gleich beim Eingang befinden sich über 7.000 weiß getünchte Kindergräber. Es sind stille Zeugen einer längst vergangenen Typhusepedemie.
Der jüdische Friedhof wird renoviert, einige der älteren Gräber wurden bereits mit weißer Farbe überstrichen. Bei unserem Besuch wurden gerade weitere frisch weiß angestrichen und die Oberfläche blendet sehr im gleißenden Sonnenlicht. Dies ist nicht die erste Renovierung. Wie die Gräber früher ausgesehen haben, ist auf alten Bildern auf Tafeln mit Informationen in der Nähe vom Eingang zu sehen: Die Grabstellen hatten eine Bedeckung mit Ziegelsteinen, darauf eine zweite, dritte oder auch vierte Lage Lehmziegel jeweils kleiner, so daß ein länglicher, stufiger Hügel entsteht. Im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte sind die Ziegel erodiert, bei der Restaurierung wurde die Schräge einfach verfüllt und geglättet, so dass die heute sichtbaren schmucklosen weißen Hügel entstanden.
Es wird beklagt, der Friedhof würde damit seiner Ursprünglichkeit beraubt, aber was wäre die Alternative? Alte Gräber ohne Verwande und Betreuung, die zerfallen und auf denen schon keine Schriftzeichen mehr zu lesen sind, werden auf diese Weise als solche erhalten. Ohne diese Pflege wären sie mittlerweile quasi eingeebnet - aber nach jüdischer Vorstellung ist das Recht des Toten auf seine Grabstelle immerwährend.
Es war sehr heiß und es gibt kaum Schatten hier. Die Atmosphäre ist fast surreal, ein orthodoxer Jude besuchte gerade ein Grab. Sonst waren nur eine Hand voll anderer Touristen hier unterwegs.
Bei Begräbnissen werden hier die unterschiedlichen Traditionen und Riten aschkenasischer und sephardischer Juden nebeneinander praktiziert. Es gibt neben den Kindergräbern sehr alte Gräber, die nicht mehr als ein einfacher Lehmhügel sind. Neuere tragen hebräische Inschriften bis hin zu aktuellen Grabstätten aus Stein, die ganz anders gestaltet sind. Am Rand entlang der Mauer kann man auch die prachtvolleren Grabmähler für Rabbiner und Schriftgelehrte besichtigen.
Auch auf der anderen Seite der Abschlussmauer befindet sich noch ein Friedhof, diesmal ein muslimischer: der Friedhof de Bab Ghmat. Er ist mindestens fünf Mal so groß. Am Himmel darüber konnten wir Vögel beim Aufstieg in den Himmel sehen. Bei näherer Betrachtung sahen wir zu unserem Erstaunen, dass es sich um eine große Gruppe Störche handelte.
Dieser jüdische Friedhof ist der größte seiner Art in Marokko, keine Atemberaubende Sehenswürdigkeit, aber ein Ort mit ganz eigener Stimmung und Ruhe jenseits der Touristenmassen, den man nicht verpassen sollte.
Nach dem Besuch sind wir weiter zu Fuß durch schmale Gassen zum nächsten Highlight, dem El-Badi Palast, gelaufen.
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