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BONNE BAY

Bonne Bay ist eigentlich ein ganz besonderer Teil des Gros-Morne-Nationalparks. Die weit ins Land reichende Bucht wurde während der letzten Eiszeit von den Gletschern ausgeschürft. Sie teilt sich heute in zwei große Arme: den East Arm bei Norris Point und den South Arm bei Woody Point. Gerade die Kombination aus tiefblauem Wasser, bewaldeten Hängen und den völlig anders aussehenden, orange-braunen Tablelands macht die Landschaft hier so charakteristisch.

Norris Point liegt an der Nordseite der schmalen Verbindung der Bonne Bay zum offenen Meer. Von hier aus fährt ein Water Shuttle nach Woody Point am südlichen Arm der Bucht. Die Überfahrt ist eigentlich schon ein kleines Erlebnis für sich und damit erspart man sich die rund einstündige Fahrt auf der Straße rund um das Fjordende. Das ist keine Autofähre, sondern eine kleines Wassertaxi. Die Überfahrt dauert nur etwa 15 Minuten und ist landschaftlich ausgesprochen schön: Man fährt über die fjordartige Bonne Bay und hat dabei den Blick auf die Tablelands, Gros Morne Mountain und die kleinen Orte am Ufer. Seit Juni 2026 fährt der Shuttle mehrmals täglich.

Wir haben direkt am Ufer übernachtet, auf dem Water's Edge Gros Morne Campground, ein privat geführter Campingplatz in Birchy Head an der Bonne Bay Road. Hier stehen die Camper nebeneinander und direkt am Ufer des South Arm der Bonne Bay. Eher ein Parkplatz, aber mit einem schönen Blick übers Wasser. Durch die Lage im Südteil des Gros-Morne-Gebiets dient er als perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge nach Woody Point, Trout River und in die Tablelands.

Der Platz war gerade eröffnet bei unserer Ankunft und schon weitgehend ausgebucht. Er bietet Stellplätze für RVs, Camper und Zelte, WLAN im und direkt am Office und auf dem ersten drei Stellplätzen und Waschhäuser mit zwei heißen Duschen, die leider beide wegen Problemen mit der Punpe bei unserem Aufenthalt geschlossen waren. Dazu eine eigene Bootsanlegestelle mit Zugang zum Wasser für Kajaks, ein paar einfache Hütten und zusätliche Stellplatz auf der anderen Straßenseite sowie einige Zimmern in einem nachgebauten Leuchtturm.

Hier konnten wir zum ersten Mal draussen in der Sonne Kaffee trinken und am Morgen die Aussicht auf Wasser und Wolken genießen.

Auf dem Rückweg aus dem Norden hatten wir mit dem Wetter dann noch einmal Glück und konnten einige Aussichtspunkte am East Arm anfahren. Er bildet den östlichen Seitenarm der inneren Bonne Bay und trennt das waldreiche Hochland des Parks von den südlichen Regionen. Der East Arm entstand vor rund 10.000 Jahren während der letzten Kaltzeit, als sich mächtige Gletscher durch das Gebirge schnitten.

Der Fjord hat eine Länge von 16,4 Kilometern und erreicht an seiner tiefsten Stelle eine Wassertiefe von bis zu 230 Metern. Eine flache Unterwasserschwelle trennt ihn ökologisch von der offenen See. Dort liegen manchmal kleinere Kreuzfahrtschiffe, weil der Anker dort Grund findet. Am Südostufer mündet der Lomond River, während im Norden der Abfluss des Ten Mile Pond und damit auch das Wasser der Southeast Brook Falls hineinfließt.








Woody Point

Vom Campgound aus war es nicht weit nach Woody Point, einem der charmantesten, geschichtsträchtigsten und atmosphärisch dichtesten Fischer- und Kulturdörfern in Neufundland.

Die Kulisse ist einzigartig. Auf der einen Seite blickt man auf das tiefblaue, fjordartige Meereswasser der Bucht, auf der anderen Seite ragen die markanten, ockerfarbenen Hochebenen der Tablelands und die steilen Hänge des Lookout Hills empor. Durch diese Lage ist der Ort etwas windgeschützter als die offene Atlantikküste und bietet vom Ufer aus herrliche Ausblicke auf die gegenüberliegende Nordseite der Bucht mit Norris Point und dem Gros-Morne-Massiv.

Mitdem dicken Camper hatten wir trotz Hinweisschildern zuerst Schwierigkeiten, über enge Straßen den mitten im Ort liegenden Parkplatz zu erreichen. Zu Fuß kann man den kleinen Ort am besten erkunden, im nächsten Jahr werden wir hier 3 Nächte in einem Cottage direkt am Wasser wohnen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Woody Point das wirtschaftliche und administrative Zentrum der gesamten Westküste Neufundlands. Von hier aus wurden Fischerei, Holzwirtschaft und Handel organisiert, weshalb der Ort über ein eigenes Zollhaus, Gerichtsgebäude und wohlhabende Kaufmannshäuser sowie ein Theater verfügte. Viele dieser historischen Holzgebäude im viktorianischen und neufundländischen Baustil sind bis heute liebevoll restauriert erhalten geblieben. Die Waterfront Street mit ihren auf Stelzen über das Wasser gebauten Kais, Bootshäusern und bunten Fassaden steht als Registered Heritage District unter Schutz und verleiht dem Ort seinen unverwechselbaren Charakter.

Woody Point hat sich über die Jahrzehnte zu einem bedeutenden Kultur- und Künstler-Hotspot entwickelt. Das alljährlich im August stattfindende Literatur- und Musikfestival zieht renommierte Autoren, Musiker und Kulturliebhaber aus ganz Kanada und Übersee an. Im Ort finden sich mehrere kleine Kunstgalerien, Ateliers, Töpferwerkstätten und Handwerksläden, in denen lokale Künstler Webkunst, Gemälde und Holzarbeiten anbieten.

Das historische Heritage Theatre dient als Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen. Der historische kleine Leuchtturm steht auf der grasbewachsenen Landzunge Crawley Head am südlichen Eingang zur Bonne Bay. Er lässt sich über einen kurzen Spaziergang direkt vom Dorfzentrum aus erreichen und bietet einen weiten Panoramablick über das Fjordwasser, die Tablelands und hinüber nach Norris Point.

Das heutige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1959 und ersetzte den ursprünglichen Holzturm von 1919. Es handelt sich um einen klassischen, rund 7,3 Meter hohen, sich nach oben verjüngenden Holzturm mit weißer Holzschindelfassade, dem offiziellen Wappen der Gemeinde, roter Galerie und Laternenhaus.

Ebenfalls an der Waterfront und das wirtschaftliches Herz der Gemeinde ist 3T's Ltd. Das von der Familie Young geführte Unternehmen ist der zentrale Fischereibetrieb und größte Arbeitgeber vor Ort. 3T’s betreibt die örtliche Fischfabrik, verarbeitet den Fang lokaler Fischerboote wie Kabeljau, Heilbutt, Schneekrabben, Hummer, Hering und Makrele und exportiert Meeresfrüchte nach Nordamerika und bis nach Europa und Asien.









Discovery Center

Oberhalb des Ortes liegt das Discovery Centre, das nicht nur Informationszentrum, sondern auch der beste Ausgangspunkt ist, um die Geologie des südlichen Gros Morne zu verstehen.

Die zentrale Ausstellung "Gros Morne: The Story in Stone" erklärt die Entstehung der Landschaft anhand der Gesteine. Man bekommt dort gewissermaßen die Erdgeschichte des Gebietes vor Augen geführt: Kontinente kollidierten, Ozeane öffneten sich und verschwanden wieder, Gebirge wurden aufgefaltet und anschließend über Millionen Jahre abgetragen. Besonders spannend ist die Erklärung, warum im Gros Morne sogar Gesteine aus dem Erdmantel an der Oberfläche liegen. Genau das macht die nahe gelegenen Tablelands geologisch so außergewöhnlich, mehr dazu auf der Seite Tablelands.

Daneben geht es nicht nur um Geologie. Ausstellungen beschäftigen sich mit der Tier- und Pflanzenwelt, mit Elchen, Karibus, der arktisch geprägten Natur und dem Leben im Meer. Neu ist die Ausstellung "Miawpukek: The Middle River". Hier werden die Geschichten und Traditionen der Mi’kmaq-Gemeinde Conne River ganz im Süden Neufundlands vorstellt. Das Discovery Centre beherbergt eine eigene Art Gallery mit jährlich wechselnden Kunstausstellungen lokaler und regionaler Künstler. Vor den Gebäuden finden sich zudem markante Skulpturen wie geschnitzte Holzkunstwerke.

Besonders niedlich war neben der Rezeption das übergroße Modell der fleischfressenden, purpurroten Schlauchpflanze auch gewalkter Wolle. Sie hing von der Decke herunter und man konnte sie seitlich öffnen, dann fielen kleine Insekten aus Plastik heraus. Ein netter Spaß für Groß und Klein, ebenso die Sitzgelegenheiten mit Bär und Elch.

Im Discovery Centre gibt es außerdem einen Film über den Nationalpark, einen Theaterraum, Café, Souvenirshop, Picknickplätze und natürlich Informationen zu den umliegenden Wanderungen.

Schon vom Gelände aus hat man einen hervorragenden Überblick über die Tablelands, Bonne Bay, Gros Morne Mountain und die Lomond Peninsula.

Leider haben wir den Lookout Trail für eine noch bessere Übersicht nicht mehr geschafft. Er startet direkt am Discovery Centre und führt hoch zum Partridgeberry Hill, dort eröffnet sich ein fantastischer Panoramablick über Bonne Bay, Gros Morne Mountain und die Tablelands. Der Rundweg ist allerdings mit rund 5,8 km und 363 Höhenmetern durchaus eine richtige Wanderung, für die man 2-3 Stunden braucht.






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