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BURNT CAPE 1

Ganz im Norden von Newfoundland, wo die Great Northern Peninsula in die Strait of Belle Isle ausläuft, liegt eines der ungewöhnlichsten Fleckchen Erde, die wir auf unserer Reise gesehen haben: das Burnt Cape Ecological Reserve. Das Wetter war an diesem Tag fantastisch und von unserem Standplatz auf dem Triple Falls RV Campground an der Route 430 nahe St. Anthony sind es rund 60 bis 70 Kilometer bis zum Reservat. Also eine gute Stunde Fahrzeit, je nach Zwischenstopps.

Bei der Abzweigung auf die Route 436 Richtung L'Anse aux Meadows muss man abbiegen, nach rund 3 bis 4 Kilometern links auf die Route 437 Richtung Raleigh wechseln und dieser etwa 14 Kilometer bis nach Raleigh folgen. Am Ortseingang stehen zwei Stühle in Puffin-Form. In Raleigh angekommen, sind wir an der Küste links abgebogen. Die Straße führt zunächst noch asphaltiert, dann als Schotterpiste weiter auf Meereshöhe rund um die Bucht bis zum Rand des Reservats. Hier geht es vom Strand aus kurz steil bergauf auf den kleinen Parkplatz. Auch unterhalb hätte man mit dem Camper gut eine Nacht lang stehen können, da es zwei größere Ausbuchtungen am Weg gab, in die der Truck Camper durchaus gepasst hätte - ansonsten ist die Zufahrt auf den letzten hundert Metern ziemlich schmal.

Hier endet die offizielle Zufahrt für die meisten Besucher: Die weiterführende Schotterstraße darf man zwar befahren bis zu einem weiteren Parkplatz mitten im Reservat, innerhalb des Reservats müssen Fahrzeuge grundsätzlich auf der durchgehenden Piste bleiben. Uns war es aber schon am Anfang zu steil, so haben wir unseren Camper hier abgestellt und sind die restliche Strecke zu Fuß gegangen, rund 4 bis 5 Kilometer einfache Strecke bis zur Landspitze.

Festes Schuhwerk ist hier empfehlenswert, denn der Untergrund ist steinig und stellenweise uneben. Eine kleine Übersichtskarte zeigt an, was es zu sehen gibt. Ich habe sie abfotografiert, oben als Eingangsbild ist sie mit Hilfe von KI etwas schöner dargestellt.

Die schmale Schotterstraße namens Neck Road, die heute quer durchs Reservat über Burnt Island führt, existierte schon vor der Ausweisung als Schutzgebiet und wird bis heute, mit Einschränkungen, für den motorisierten Verkehr genutzt. Die steilsten Stellen kurz hinter dem Eingang sind aber von Leuten ohne Sperrdifferential und Allradantrieb zerfahren worden und somit recht uneben, dazu kommen noch Felsen im Untergrund. Schon für einen 4WD ohne Campingaufbau recht anspruchsvoll.

Allerdings darf man sich ausschließlich auf dieser einen Route bewegen, um die empfindliche Vegetation außerhalb des Weges nicht zu beschädigen. Besonders am Anfang ist die Straße sehr rau und man musste teilweise Anfang Juni noch durch Schneefelder fahren oder gehen. Das hält schon viele vom Fahren hier ab. Ein Allradfahrzeug kam uns entgegen, aber der ältere Fahrer war extrem vorsichtig unterwegs und war gar nicht bis zum offiziellen Parkplatz im Reservat gefahren. Damit hatte er die schönsten Landschaften verpasst. Als wir nach der Wanderung zum Camper zurück gingen kam uns sogar jemand mit einem alten Opel Corsa entgegen und schrabbte an den erwähnten Steilstücken mit dem Unterboden auf dem Fels den Berg hoch.

Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft hier oben auf dem kleinen Plateau karg und unspektakulär: nacktes Kalkgestein, kaum Bäume und dazu weht ein ständiger, kühler Wind. Doch genau diese Härte hat hier ein kleines botanisches Wunder entstehen lassen.

Burnt Cape wurde 1998 zunächst als provisorisches Schutzgebiet eingerichtet und im März 2000 offiziell als Ecological Reserve ausgewiesen. Möglich wurde das vor allem durch den Einsatz von Einheimischen aus Raleigh, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftlern und der Provinzregierung, die gemeinsam auf den Schutz der außergewöhnlichen Pflanzenvielfalt hingearbeitet haben.

Das Besondere an Burnt Cape ist seine Flora. Das 3,6 km² große Naturschutzgebiet nimmt fast die gesamte Halbinsel Burnt Cape ein und obwohl dort die kühlsten Bedingungen der Insel herrschen, beheimatet das Kap mehr als 300 Pflanzenarten, rund 30 davon gelten als selten. Viele sind sogenannte arktisch-alpine Relikte, also Überbleibsel aus der Zeit, als sich nach der letzten Eiszeit Pflanzen aus dem hohen Norden hier ansiedelten und dank des kühlen Klimas und des kalkreichen Bodens bis heute überlebt haben.








Frühling

Anfang Juni war bei unserem Besuch hier gerade erst der Beginn der Vegetationsperiode, da nach dem langen, kühlen Winter der Northern Peninsula die Blüte hier später einsetzt als weiter südlich auf der Insel. Dazu kam noch, dass es 2026 ein ziemlich kalter Frühling war. Man sieht dann vor allem die winzigen, dicht am Boden wachsenden Polsterpflanzen und ersten Frühblüher zwischen dem grauen Kalkstein, während die Hauptblüte vieler Arten eher in den Wochen danach liegt.

Besucher des Kaps sollten sich auch im Sommer auf kühles Wetter einstellen. Frost kann in jedem Monat des Jahres auftreten, zudem sind Regen und Nebel häufig. Die Vegetationsperiode in der Ökoregion "Strait of Belle Isle Barrens" ist die kürzeste der gesamten Insel.

Gerade dieser karge, gerade erwachende Zustand der Barrens Anfang Juni hat aber durchaus seinen eigenen Reiz, denn so wirkt die Struktur der Landschaft besonders klar, auch wenn hier wohl selten die spärliche Vegetation den Blick verstellt. Leider werden wir 2027 zur etwa gleichen Zeit vor Ort sein, so dass wir dann wohl keine anderen Pflanzen sehen werden. Am Wegrand blühten unter anderem Gegenblättrige Steinbrech (Saxifraga oppositifolia, Lappland-Alpenrose (Rhododendron lapponicum), Arktische Weide (Salix arctica), Mehlprimel (Primula farinosa) und Echten Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi). Die Namen haben wir natürlich alle nach dem Besuch an Hand der Fotos herausgefunden, vor Ort waren wir nur begeistert von den kleinen Blüten, die sogar von dicken Hummeln besucht wurden.

Das Reservat sollte nur bei trockenem Untergrund betreten werden, also nicht direkt nach Schneeschmelze oder Regen, um die empfindlichen Böden nicht zu beschädigen. Man sollte hier grundsätzlich auf dem Weg bleiben und nicht auf die Pflanzen treten.

Zu den bekanntesten Arten zählen: Burnt Cape Cinquefoil (Potentilla pulchella), die weltweit nur auf der Northern Peninsula zu finden ist: Fernald"s Braya (Braya fernaldii), eine gefährdete, sehr unscheinbare Art, Arctic Bladderpod (Physaria arctica), Alpine Arnica (Arnica angustifolia) und Dwarf Hawk"s-beard (Askellia pygmaea).

Wie die Wanderung weiter geht, seht ihr auf der zweiten Seite.













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