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JÜDISCHES VIERTEL

Nicht weit von unserer Unterkunft Riad Anabel entfernt liegt das jüdlische Viertel, auch Mellah oder Malach genannt. Es liegt im Süden der Medina, nahe des Palastes Bahia, und diente ursprünglich als Wohngebiet für die jüdische Gemeinde der Stadt, die im Mittelalter eine bedeutende Rolle im Handels- und Kulturleben spielte.

Juden kamen vor über fünfhundert Jahren nach Marrakesch, als ein Strom von Deportierten aus Spanien die Länder Nordafrikas überschwemmte. Damals begann sich Marrakesch zur Hauptstadt der saardischen Dynastie zu entwickeln. Der Sultan rief die Juden dazu auf, sich dort niederzulassen, und dann begannen sie im Auftrag des Sultans mit dem Bau des jüdischen Viertels.

Die älteste Mellah ist die von Fès, sie wurde vom damaligen Herrscher für die jüdischen Einwohner zum Schutz vor Massakern auf einem salzhaltigen Gelände in der Medina eingerichtet. Daher stammt auch der Name – denn Mellah bedeutet auf Hebräisch und auch auf Arabisch "Salz".

Fünfzigtausend Juden lebten noch im Jahr 1947 in Marrkesch. Heute ist das Viertel eher muslimisch geprägt, zur Zeit leben noch etwa zehn jüdische Familien im Stadtteil. Anders als früher sind die Straßen heute eng und vernachlässigt. Die Häuser sind sehr voll. Jedes Haus, in dem früher eine jüdische Familie lebte, ist in mehrere Wohnungen unterteilt und in jedem Zimmer wohnt eine andere Familie. Es bröckelt der Lehm und das kostbare Palmholz, das Skelett der Häuser, das einst die brüchigen Mauern zusammengehalten hatte, wurde anderswo verwendet.

Die Straßen, die in der Vergangenheit hebräische Namen hatten, tragen jetzt neue Namen. Die Mellah zeichnet sich durch Gebäude mit Balkonen und Holzarbeiten aus, was sie deutlich von den anderen Vierteln in der Medina unterscheidet. Die meisten Häuser sind hier Hofhäuser und am Rand des Viertels liegt ein sehr sehenswerter jüdischer Friedhof.

Das Wohnviertel wirkt heute ärmlich, besonders wenn man durch die kleinen Seitengassen geht. Vieles ist kaputt und so manche Wand wird nur noch mit Hilfe von Stützpfeilern aufrecht gehalten. Ob es Verfall ist oder ob es sich im Schäden durch das Erdbeben vom 8. September 2023 handelt konnten wir nicht erfahren.

In den verschachtelten Straßen des Viertels sind die meisten Juden längst weg, nach Israel ausgewandert oder in die großen Städte an der Küste gezogen. Diejenigen, die noch hier leben, sind sehr alt und sogar bedürftig und leben von den Spenden der großen Gemeinde in Casablanca.

Vor der Abwanderungswelle lebte in Marokko die größte jüdische Gemeinde Nordafrikas, die auf 250.000 bis 300.000 Juden geschätzt wurde, heute sind es nach inoffiziellen Angaben weniger als 3.000 Menschen. Davon leben in Marrakesch noch ca. 200 Juden, die meisten davon in der Neustadt, wo es zwei Synagogen gibt. Aber obwohl die jüdische Gemeinde heute klein ist, wird ihr Erbe weiterhin gepflegt, obwohl man schwer mit dem Mitgliederverlust zu kämpfen hat.

Es wird aber auch einiges renoviert, um die historische Bedeutung zu bewahren, und das zieht Besucher aus der ganzen Welt an, die mehr über die jüdische Geschichte Marokkos erfahren möchten. Die Entscheidung des Königs, das alte jüdische Viertel für 20 Millionen Dollar zu renovieren und ihm seinen Namen zurückzugeben, löste Aufsehen aus. Die Stadt erwacht in den letzten Jahren zu neuem Leben, da jüdische Besucher - darunter viele Israelis - in Scharen dorthin strömen, um ihre kulturellen und historischen Schätze noch einmal zu erleben.

Ursprünglich war das Mellah auch für ihre Gewürzhändler und Juweliere bekannt. Heute finden sich dort viele Läden, die traditionelle marokkanische Waren anbieten. Aber die Kunst der jüdischen Silberschmiede wird bis heute hoch gehalten, und man kann in vielen Geschäften in den Shouks silberne Schriftkapseln für Türpfosten, Menorot oder mit einem Davidstern verzierten Schmuck finden.








Slat-al-Azama-Synagoge

Wie die meisten in Marokko errichteten Synagogen befindet sich Salat Al-Azama, auch bekannt als Lazama-Synagoge, mitten in der Mellah. Die bekannteste Synagoge ist auch für Touristen geöffnet und kann heute noch besucht werden kann. Der Eintritt kostet schlanke 10 MAD. Sie ist ein Zeugnis der reichen jüdischen Geschichte Marrakeschs und die letzte Synagoge im Viertel.

Traditionell wird die Gründung auf das Jahr 1492 datiert, im Zusammenhang mit der Vertreibung der Sephardischen Juden aus Spanien. Daher erhielt sie auch den Spitznamen "Synagoge der Verbannten" und beherbergte Generationen von Marokkanern, die aus den Dörfern zum Torastudium geschickt wurden, bis sie dann 1960 endgültig aufgegeben wurde.

Allerdings wurde das Mellah-Viertel rundum erst 1557 gegründet, was darauf hindeutet, dass die heutige Struktur der Synagoge aus späteren Renovierungen stammt.

Sie ist in ein größeres Gebäude integriert, das ursprünglich ein privates Haus mit einem zentralen Innenhof war, ein typisches Merkmal der marokkanischen Riad-Architektur. Der Gebetsraum zeichnet sich durch traditionelle marokkanische Dekorationen wie Zellij-Mosaikfliesen aus.

In den 1950er Jahren wurde an der Ostseite eine Frauenempore hinzugefügt, was in Marokko ungewöhnlich ist, da Frauen traditionell in einem separaten Raum am Eingang der Synagoge beten. Der ursprüngliche hölzerne Toraschrein wurde durch einen Marmorschrein an der Ostwand ersetzt.

Die Slat al-Azama-Synagoge ist heute wieder ein aktives Kulturzentrum für die jüdische Gemeinschaft in Marrakesch. Bei dem Erdbeben am 8. September 2023 wurde auch die Synagoge und das umliegende jüdische Viertel beschädigt, glücklicherweise wurden niemand verletzt.

Der Innenhof in Weiß und Blau ist ein ruhiger Ort voller Ambiente, mit den traditionellen marokkanischen Mosaiken und einem Brunnen verzierten Patio. Hier kann man im kühlen Schatten Erhohlung vom Rundgang in der quirligen Stadt finden. Rundum befinden sich die ehemaligen Klassenzimmer, die in ein kleines Museum umgewandelt wurden. Hier erzählen verblasste Farbbilder die Geschichte der Gemeinschaft, die einst hier lebte und deren Söhne nach Frankreich, Nordamerika und insbesondere Israel auswanderten.

Ganz besonders gut hat uns die Fotoausstellung gefallen: "Bnei Menashe - The lost tribe". Die Bnei Menashe, in Indien als Shinlung bekannt, sind eine Gemeinschaft indischer Juden aus verschiedenen tibetisch-burmesischen Volksgruppen an der Grenze zwischen Indien und Burma, die behaupten, von einem der verlorenen Stämme Israels abzustammen.

Unter einem braunen Bild eines alten Mannes, der auf einem Stapel Koffer sitzt, steht: "Sie reisen einem Traum entgegen, für den sie über zweitausend Jahre lang gebetet haben."









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