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KASBAH AMRIDIL

Fährt man von Ouarzazate in Richtung Skoura, fallen zunehmend mehr große Lehmbauten und Wohnburgen ins Auge. Die ca. 250 km lange Strecke entlang der N10 zwischen Ouarzazate und Goulmima trägt noch immer den touristischen Beinamen "Die Straße der 1000 Kasbahs".

Man könnte es auch die "Straße des verfallenen Stampflehms" nennen, denn heute sind nur noch wenige davon bewohnt. Die Reste lassen immer noch staunen über die einstigen Baumeister, die ohne Maschinenhilfe solche Architektur erschaffen haben. Und sie machen traurig, sind sie doch ganz offensichtlich im Verfall begriffen und ohne Pflege Regen, Wind und Sonne ausgesetzt.

Der Begriff Kasbah hat je nach Region und Sprachbedeutung mehrere Inhalte, was leicht zur Verwirrung führen kann. Im Südosten Marokkos wird die Wohnburg der Berber, der Tighremt, als Kasbah bezeichnet. Fälschlicherweise wird Kasbah auch als Sammelbegriff für andere Bauwerke wie einen Ksar, eine Wohnburg, genutzt. Ein Ksar umfasst die Wohnbauten einer bis mehrerer Hundert Großfamilien, umgeben von einer Lehmmauer mit Ecktürmen. Die Einzelbauten aus Lehm, die Tighremts oder Kasbahs, besitzen ebenfalls Ecktürme, haben einen quadratischen Grundriss und normalerweise zwei, zum Teil auch weitere Stockwerke. Das Erdgeschoss mit Innenhof beherbergte traditionell das Vieh, während die Räume der oberen Geschosse und auf der Dachterrasse zum Wohnen genutzt wurden. Heute wird das Wort Kasbah zuätzlich auch für Hotel-Neubauten eingesetzt, die äußerlich im traditionellen Kasbah-Stil erbaut wurden.

Eingebettet in die Oase Skoura ist Kasbah Amridil ein bemerkenswertes Beispiel für diese traditionelle Festungsarchitektur Marokkos. Die Schreibweise "Amridil" ist die korrekte und geläufige Form, obwohl in manchen Transkriptionen auch "Amerhidil" auftaucht. Letzteres ist jedoch weniger verbreitet und wird meist als Schreibfehler angesehen.

Wenn man in der Region unterwegs ist, sollte man diese Kasbah unbedingt besuchen. Sie ist die authentischste, die wir gesehen haben. Vollständig aus Lehm erbaut, ist schon die sehr gute Restaurierung bewundernswert.

Folgt man der N10 in Richtung Zentrum, sind die Tighermatin von Ben Moro und Amridil direkt von der Straße aus zu sehen. Der Weg dorthin führt durch ein staubiges, trockenes Flussbett direkt zum Parkplatz unter Palmen.

Ursprünglich wurde das schöne Ensemble im 17. Jahrhundert als Ksar gegründet, erlangte aber erst im späten 19. Jahrhundert an Bedeutung. Da gab ein Mann namens M'hamed Ben Brahim Nasiri, ein Gelehrter aus einer angesehenen Familie, den Umbau in ein großes Tighremt, ein befestigtes Herrenhaus, in Auftrag.

Die strategische Lage der Kasbah in der Nähe des Flusses und ihre komplizierte Lehmziegelkonstruktion mit schönem Design machten sie berühmt. Sie waraauf der alten 50-Dirham-Note abgebildet und spielte im Film "Lawrence von Arabien" eine Rolle. Ein historisches Wahrzeichen und ein kultureller Schatz.

Diese Kasbah hat eigentlich mehrere Eingänge: es gibt eine rechte unn eine linke Kasbah, für die man seperat Eintritt zahlt, weil sie verschiedenen Familien gehören. Die rechte ist die mit den höhren Türmen, war aber bei unserer Ankunft wegen Bauarbeiten komplett geschlossen und gar nicht zu besichtigen.

Direkt links neben der Kasbah wurde im gleichen Stil ein moderneres Gebäude errichtet, in dem sich eine Unterkunft mit Restaurant befindet, die Auberge Caféteria Espace Kasbah Amridil.

So stand nur der mittlere Eingang offen, im Torbogen warteten schon die die Guides. Man kann zwischen einer Führung mit Guide oder nur dem Eintritt wählen. Die Führung ist auf Französisch und Englisch möglich, der Eintritt kostet 40 MAD pro Persson.

Wir wollten zum Fotografieren ohne Führung umherstreifen und die Guides waren auch nicht sehr aufdringlich. Wir waren recht früh vor Ort und sie wussten, gleich kommen die Busse mit Gruppen. Da gibt es mehr Trinkgeld, also waren wir unbehelligt alleine unterwegs. Nachdem wir den Rundgang halb beendet hatten wurde es dann schnell voller und man musste beim Umherklettern auch mal warten.









Rundgang

Im Museum der Kasbah Amridil wird ein reiches kulturelles Erbe bewahrt und Besuchern gleichzeitig ein Einblick in das traditionelle Leben gewährt. Die vierstöckige Struktur, die um einen Innenhof zentriert ist, spiegelt das multifunktionale Design wider: Die untere Ebene dient der Lagerung und dem bäuerlichen Gebrauch, die oberen Ebenen sind Wohnbereiche.

Die Gänge sind verschachtelt, mann steigt über viele Treppen und auf Grund der Deckenhöhe muss man sich oft bücken. Witzig war der Storch aus Holz, der oben auf dem Dach stand. Die Gebäude bestehen aus ungebranntem Lehm, der in Holzverschalungen unter der Beimischung von gehäckseltem Maisstroh vor Ort festgestampft und getrocknet wird. Diese fertigen Mauerteile werden mit dazwischenliegenden Querstreben übereinandergeschichtet. Beim Entfernen der Querpfähle bleiben die charakteristischen regelmäßigen Löcher im Lehm, wie sie im gesamten Süden an Stadt- und Gebäudemauern zu sehen sind.

Diese Lehmbauten haben den klimatischen Vorteil, dass es im Sommer angenehm kühl im Inneren bleibt und im Winter halten sie die Wärme. Dem entgegen steht der Nachteil der ständigen Instandhaltung. Werden die Mauern nicht regelmäßig nach Regenfällen restauriert, dann verfällt das Gebäude innerhalb weniger Jahre.

Die Kasbah Amridil ist in einem hervorragenden Zustand und verfügt über viele Museumsstücke, die man sogar anfassen darf. Bei den Restaurierungsarbeiten wurde ein von Marrakesch inspirierter Garten hinzugefügt, der die ursprünglichen Stampflehmwände und geometrischen Türme der Kasbah ergänzt.

Besucher können hier eine historische Olivenpresse, Steinmörser, einen Brotofen und diverse traditionelle Artefakte für Haushalt und Landwirtschaft erkunden, was die kleine Ausstellung zu einer lebendigen Darstellung der Vergangenheit Marokkos macht.

Alltagsgegenstände, Kücheneinrichtungen und die Räumlichkeiten geben einen guten Einblick in das Leben der Berber. Dabei war die Aufteilung für die Nutzung durch mehrere Familien gut zu erkennen: Für einige wenige Zimmer gab es jeweils eine eigene Küche, mit Feuerstelle und Backofen, und zwar auf jeder Etage. Also eine Art "Eigentumswohnung". Aufgrund der dicken Lehmwände und Lehmfußböden war das offene Feuer im Gegensatz zu mittelalterlichen Städten in Europa auch nicht gefährlich.

nach der Besichtigung fuhren wir mit dem Auto noch etwas durch die Palmenosase von Skoura und dann zurück in die L'Ma Lodge










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