| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Im Norden | Site-Map | HOME |

| Eisriesen |

DAILY CATCH OCEAN TOURS

St. Lunaire-Griquet liegt am äußersten nordwestlichen Zipfel der Great Northern Peninsula, nur einen Steinwurf von L'Anse aux Meadows entfernt, wo einst die Wikinger als erste Europäer nordamerikanischen Boden betraten. Der kleine Ort besteht im Kern aus einer Handvoll Häusern rund um den Hafen von Griquet, und genau hier, direkt am Wasser, liegt das Zuhause von Daily Catch Ocean Tours.

Nachdem wir in St. Anthony am Morgen spontan keinen Platz mehr auf dem Boot bekommen hatten, hatten wir hier am Nachmittag mehr Glück und es waren um 15:00 Uhr noch zwei Plätze frei.

Angemeldet haben wir uns nicht an einem Schalter oder in einem Tourbüro, sondern ganz unkompliziert im Daily Catch Restaurant, das direkt über dem Hafen thront. Von der Terrasse aus blickt man auf die Boote, die am Steg schaukeln, während drinnen die Fischgerichte des Tages auf der Tafel stehen. Sehr gemütlich! Eigentlich wollten wir hier Michaels Geburtstag feiern, aber wegen fehlender Kapazitäten am Wochenende auf den Campingplätzen mussten wir die Anreise verschieben. So wurde sein Geburtstag dann leider ein langer Fahrtag mit ausgiebig Wolken und Regen, mehr dazu auf der Seite Viking Trail.

Restaurant und Bootstouren gehören zusammen. Die Anmeldung war herzlich und unkompliziert: kurz den Namen genannt, 189 CAD für zwei bezahlt, und schon ging es hinunter zum Steg. Unser Boot für diesen Nachmittag hieß Noddy, ein robustes kleines Ausflugsboot von Daily Catch Ocean Tours, das auf die rauen Bedingungen des offenen Nordatlantiks ausgelegt ist. Der Name leitet sich von einer lokalen Bezeichnung für eine nordatlantische Seevogelart, den Seeschwalben, ab. Die Noddy wurde eigens für den Anbieter maßangefertigt und im Jahr 2024 neu in Dienst gestellt. Das Schiff wurde speziell für die rauere See des Nordatlantiks konzipiert, um auch weiter aufs offene Meer hinaus zu den großen Eisbergen fahren zu können.

Das Boot bietet Platz für bis zu 12 Passagiere, wodurch die Ausflüge in einem überschaubaren, persönlichen Rahmen stattfinden, was ganz unserem Geschmack entspricht. Außerdem wird man hier nicht ständig per Mikrofon mit Informationen beschallt, wie auf größeren Schiffen üblich. An Bord befinden sich sogar eine Toilette und ein überdachter Deckbereich, der Schutz vor Wind und Gischt bietet.

Der Skipper, wettergegerbt, freundlich und offensichtlich seit Jahren mit diesem Küstenabschnitt vertraut, gab uns eine kurze Sicherheitseinweisung, verteilte Schwimmwesten und dann legten wir ab. Schon beim Verlassen des kleinen, geschützten Hafens von Griquet war klar: Das hier würde kein ruhiger Ausflug auf spiegelglattem Wasser werden.

Kaum hatten wir die schützenden Landzungen hinter uns gelassen, trafen wir auf die offene See und die zeigte sich an diesem Tag von ihrer wilden Seite. Die Noddy kämpfte sich durch teils heftige Brandung, stampfte über die Wellenkämme und tauchte dahinter wieder ab, sodass die Gischt bis aufs Deck spritzte. Dabei kamen wir aber schon am ersten Eisberg vorbei, dessen Spitze man von Land aus sehen konnte. Er schlug hier gegen die Felsen und es platzten ständig Teile davon ab. Es war eine wilde Fahrt. Man spürte mit jedem Stoß, wie viel Kraft der Nordatlantik hier entfalten kann, und gleichzeitig, wie souverän die Crew das Boot durch die Wellen manövrierte. Wenn Ihr Euch unten das Video anseht, könnt Ihr an den Schwankungen ahnen, wie es war.

Zuerst hatte ich etwas Angst, aber dann wurde es mehr und mehr zum Spaß. Auch die anderen Passagiere jauchzten.

Warm anziehen sollte man sich für eine Tour auf jeden Fall. Schon kurz vor der Küste herrscht auf dem Nordatlantik selbst im Hochsommer ein ganz anderes Klima als an Land, zumal die eisigen Strömungen und die schiere Kälte der vorbeitreibenden Eisberge wie eine natürliche Klimaanlage wirken. Mehrere Schichten isolieren am besten. Eine wind- und wasserdichte Außenjacke ist Pflicht, da Fahrtwind und Gischt die gefühlte Temperatur sofort nach unten drücken. Fleece oder Wolle halten die Körperwärme verlässlicher als reine Baumwolle. Mütze und dünne Handschuhe gehören selbst im Juni oder Juli dazu, da der Wind einen auf dem offenen Deck schnell auskühlt.

Auch die Schuhe sind wichtig: Rutschfeste Sohlen geben Halt auf feuchtem Deck, und dicke Socken halten die Füße warm. Nur wenn man mit einem Zodiac fährt, stellen lokale Touranbieter für die Fahrten zusätzlich dicke Thermo- oder Rettungsanzüge bereit, sonst ist man für warme Kleidung selbst verantwortlich.









Eisriesen

Der Lohn für die raue Anfahrt waren zwei sehr imposante Eisberge, die in einiger Entfernung vor der Küste trieben. Hier verläuft die berühmte Iceberg Alley. Je näher wir kamen, desto deutlicher wurde ihre Größe: schroffe, in unzähligen Blau- und Weißtönen schimmernde Eisblöcke, über tausend Jahre alt, die auf ihrer langen Reise aus Grönland hierher gedriftet waren.

Die Noddy umrundete beide Eisberge in respektvollem Abstand, sodass wir sie von allen Seiten bewundern konnten. Mal ragte eine schroffe Spitze auf, mal öffnete sich eine sanft geschwungene, türkis schimmernde Flanke an den Stellen, an denen das Eis vom Wasser bereits abgeschliffen worden war. Es tropfte überall und Meerwasser schwappte auf die flacheren Teile. Wir hatten sogar Glück und ein kleines Stück brach vor unseren Augen ab.

Der Skipper macht diese Fahrt mehrmals täglich und jeden Tag sehen die Eisberge anders aus. Sie drehen sich, brechen auseinander und oft muss er das Boot durch einen Teppich aus kleinen Eisbrocken manövrieren.

Ein besonderes Highlight war das Einsammeln kleiner Eisbrocken, die sich von den Eisbergen gelöst hatten und im Wasser trieben, sogenannte "Bergy Bits". Mit einem Kescher durften die Gäste die glasklaren, jahrtausendealten Eisstücke direkt aus dem Meer fischen und sich damit fotografieren lassen. Es war faszinierend, dieses uralte Eis aus nächster Nähe zu sehen und sogar in die Hand nehmen zu können: kühl, unglaublich dicht und voller winziger, eingeschlossener Luftblasen.

Ein paar Brocken wurden zum Restaurant mitgenommen. Ich hätte gerne ein riesiges Cocktailglas gehabt, um den Drink damit zu kühlen.

Auf dem Rückweg drehte der Skipper neufundländische Musik auf, und zwischen Fiddle-Klängen und Liedern über Newfoundland ging es zurück Richtung Griquet. Wieder über kräftigen Seegang, wieder mit ordentlich Spritzwasser über den Bug. Die Kombination aus Musik, salziger Luft und den auf und ab tanzenden Wellen sorgte für eine ausgelassene Stimmung an Bord. So kehrten wir durchnässt, durchgeschüttelt und bestens gelaunt in den kleinen Hafen von Griquet zurück. Hinein in die durch eine vorgelagerte Insel geschütze Bucht ging es diesmal über den zweiten Kanal, vermutlich eine Art Einbahnstraßen-Regelung als Schutz gegen Kollisionen an den Engstellen. Auf dem letzten Stück im flachen Wasser der geschützten Bucht konnte die Noddy dann noch mal zeigen, was für eine Geschwindigkeit sie draufhat, wenn der Skipper die beiden Aussenborder mal aufdereht.

Hoffentlich gibt es 2027 wieder so tolle Eisberge, wenn wir noch einmal hierherkommen. Dann machen wir sicher noch einmal eine Tour.

















Eigenes Video zum Thema

Google Map zum Thema

| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Im Norden | Site-Map | HOME |

| Datenschutz | Impressum |