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Der Viking Trail ist eine der schönsten und zugleich einsamsten Straßen Kanadas. Offiziell ist es die Route 430, die von Deer Lake aus über die gesamte Nordwestspitze Newfoundlands bis nach St. Anthony führt. Die eigentliche Straße ist etwa 413 km lang, wird aber als touristische Route mit einigen Abstechern vermarktet. So etwa nach L’Anse aux Meadows oder Cape Norman, daher werden oft rund 490 bis 690 km angegeben.
Für Besucher ist der Viking Trail mehr als nur eine Straße, denn er verbindet die beiden UNESCO-Welterbestätten Gros Morne National Park und L’Anse aux Meadows, führt durch kleine Fischerdörfer, vorbei an einsamen Küsten, Kalksteinlandschaften, Mooren, Wäldern und durch Gebiete voller Karibus und Elche. Am Ende erreicht man dann die Region der Eisberge und Wale.
Die Entfernungen werden oft unterschätzt. Von Rocky Harbour bis St. Anthony fährt man ohne Stopps fast vier Stunden, mit dem Camper haben wir aber länger gebraucht. Bei dem Benzinverbrauch und dem Regenwetter wollten wir nicht rasen, sondern sind im Durchschnitt nur 70 bis 80 km/h gefahren. Das war mit etwa 15,5 l/100km der günstigste Bereich für unseren "Rocky".
Sparsamkeit war schon angesagt, denn Tankstellen werden nach Norden hin seltener. An einigen bekommt man nur Benzin und keinen Diesel oder muss mit Speditions-Karten tanken, die man als Tourist nicht besitzt. Das gilt auch für Restaurants: Man sollte sich Verpflegung mitnehmen, wenn man nicht mit dem Camper unterwegs ist.
Das Wetter kann sich hier ziemlich schnell ändern, wir haben das ja selbst erlebt. Sonnenschein am einen Tag im Gros Morne, dann zwei Tage mit Dauerregen und tief hängenden, grauen Wolken. Die Strecke wollte uns ihre Schönheit nicht zeigen, auf dem Hinweg war es besonders ätzend. Da hatte man noch nicht einmal Lust anzuhalten. Auf dem Rückweg war es zwar auch ziemlich grau, aber es hörte wenigstens ab und zu mal auf zu regnen. Die Bilder auf dieser Seite entstanden auf dem Hin- und Rückweg.Weil wir für die Rückfahrt ziemlich früh im Norden gestartet sind, sahen wir viele Elche am Straßenrand. Manche am Waldrand, manche ganz nah am nächsten Ort. Sie können besonders morgens und abends auch mitten auf der Straße stehen. Des Nachts sollte man hier sowieso nicht mehr unterwegs sein, ein Zusammenprall kann tödlich enden - für beide Seiten!.
Auf jeden Fall muss man immer bremsbereit, konzentriert und aufmerksam sein. Einige der gesichteten Elche haben uns ignoriert, viele habe sich erschreckt und sind zurück in den Wald gelaufen. Achtung: das könnte auch der Wald auf der anderen Straßenseite sein, und schon wird man vom querenden Elch überrascht! Ein Elch, der nur so herumsteht und glotzt, kann von jetzt auf gleich losrennen, und das kann auch die falsche Richtung sein.
Am Morgen starteten wir in Rocky Harbour. Sehenswürdigkeiten südlich von Parson's Pond habe ich schon auf der Seite An der Küste und Berry Hill Wanderweg beschrieben.
Eigentlich wären wir die Strecke ein paar Tage eher gefahren, aber im Norden war Eisbergsaison und am Wochenende haben wir keinen freien Campground mehr gefunden. So groß ist die Auswahl an Stellplätzen mit Strom leider nicht, denn bei den niedrigen Temperaturen wollten wir nicht ohne den kleinen, leisen elektrischen Heizlüfter stehen. Mit Glück fanden wir unter der Woche noch einen Stellplatz auf dem Triple Falls Campground, der ziemlich zentral zu vielen Sehenswürdigkeiten liegt.
Leider wurde so aus Michaels Geburtstag ein langer Fahrtag. Den wollten wir eigentlich in einem schönen Restaurant verbringen. Immerhin gab es am Anfang der Fahrt ein kleines, familiengeführtes Restaurant direkt an der Route 430, unmittelbar am Meer in dem winzigen Fischerdorf Sally’s Cove. Die heutigen Betreiber kamen 2022 nach 24 Jahren in Ontario zurück nach Newfoundland und übernahmen das damalige Snack Shack. Aus dem früheren Food Truck wurde inzwischen das Whale’s Back Grub Hub mit Gift Shop. Benannt ist es nach einer Felsformation vor der Küste.
Der kleine Ort hat eine interessante Geschichte als alte Fischersiedlung innerhalb des Gros-Morne-Nationalparks und war sogar von den Umsiedlungsplänen des Nationalparks betroffen. Einige Familien weigerten sich damals, den Ort zu verlassen. Dadurch blieb Sally’s Cove als sogenannte Park-Enklave erhalten.
Wir wurden magisch von einem Schild angezogen, auf dem mit Moose Burgern und Lobster Rolls geworben wurde. Da es für einen Burger noch zu früh war, haben wir uns zwei Lobster Rolls zum Mitnehmen einpacken lassen. Die haben hier mit Steuern stolze 57,30 CAD gekostet. Das Wetter war aber so schlecht, dass wir sie dann später in der Fahrerkabine gegessen haben. Das Hummerfleisch war üppig, und es gab noch etwas Grün und Sauce dazu. Am Abend gab es dann Sekt und Nudeln mit Scallops als zweites Geburtstagsessen.
Auf dem Rückweg haben wir uns dann auch die Zeit genommen, uns ins Innere zu setzen, und haben dort den berühmten Moose Burger probiert, den wir sehr lecker fanden. Dazu gab es Fritten und wir tranken zwei Softdrinks, gezahlt haben wir inklusive Steuern 42,50 CAD.










Nur etwa 11 km nördlich von Parson's Pond liegt ein kleiner Provincial Park, der sich gut für einen Stopp oder eine Pause eignet. Hier haben Wind und Wellen zwei große Felsbögen aus Kalkstein geschaffen, mehr dazu auf der Seite Arches Provincial Park.
Ab Parson's Pond beginnt der eigentliche Norden Newfoundlands. Die Landschaft wird weiter, offener und noch einsamer. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nicht direkt am Highway, und man muss immer wieder kleine Abstecher machen. Dazu war das Wetter leider zu schlecht. Für 2027 haben wir daher eine Zwischenübernachtung in Port au Choix gebucht, so haben wir mehr Zeit für Abstecher und sind mit einem Auto auch schneller unterwegs.
Es folgen Orte wie Portland Creek und Daniel's Harbour, einst ein Zentrum des Eisenerzbergbaus. Das Table Point Ecological Reserve ist ein international bedeutendes geologisches Gebiet mit etwa 460 Millionen Jahre alten Fossilien. Es gibt hier keine offiziellen Wege, aber Geologen aus aller Welt kennen diesen Ort.
Ein landschaftlich schöner Ort mit einem Fluss, in dem im Sommer Lachse aufsteigen, ist River of Ponds. Hier gibt es auch einen Campground. In Hawke's Bay und Torrent River kann man auf einem 3 km langen Boardwalk durch die Natur gehen, wenn das Wetter mitspielt.
Eigentlich hatten wir auch einen Abstecher nach Port au Choix geplant, doch die grauen Wolken hingen tief, und wir sind an der Abzweigung vorbeigefahren. Hier lebten bereits vor über 5.000 Jahren Menschen. Die archäologischen Fundstätten gehören zu den bedeutendsten Nordamerikas. Außerdem gibt es das hübsche Point Riche Lighthouse, Kalksteinlandschaften und früh im Jahr häufig Karibus zu sehen, das werden wir dann 2027 erkunden.
Unterwegs sahen wir mehrere Weißkof-Seeadler, auch Jungtiere. Sie saßen besonders gerne auf den von Einheimischen aufgeschichteten Holzstapeln an der Küste, die wir neben Bergen von Hummerfangkörben überall sahen.
In St. Barbe zweigt die Straße zur Fähre nach Labrador ab. Leider sind wir auch an Flower's Cove vorbeigefahren und haben erst später gelesen, dass es hier Thromboliten gibt. Diese seltsamen Kalkstrukturen werden von Mikroorganismen gebildet und erinnern an sehr frühe Lebensformen der Erde. Die fossilen Mikroorganismenschichten dort gehören neben West-Australien, wo wir sie schon gesehen haben, zu den wenigen sichtbaren Vorkommen auf der Erde. Außerdem gibt es schöne Küstenwege.











Der Triple Falls RV Park liegt an der Route 430, etwa 8 bis 9 km südwestlich von St. Anthony, und ist damit ein sehr praktischer zentraler Standort für den nördlichen Teil des Viking Trail. Bis L’Anse aux Meadows sind es von hier aus ungefähr 30 km.
Die Kritiken im Netz waren nicht sonderlich gut. Der Platz ist aber seit 2026 unter neuer Führung, und die neuen Betreiber weisen darauf hin, dass sie den Campground gerade Schritt für Schritt renovieren und zunächst nur einen Teil der Plätze öffnen. Ziel ist, die Anlage insgesamt aufzuwerten, was viel Arbeit ist.
Wir hatten auch gar keine andere Wahl, denn die anderen Parks und der nahe Pistolet Bay Provincial Park waren komplett ausgebucht. Mal wieder reingefallen nach dem Motto: Mit einem Camper ist man ja flexibel. Einige von uns herausgesuchte Stellen irgendwo an den Straßen, die eventuell ein freier Stellplätze sein könnten, waren oft mit großen Steinblöcken abgesperrt, nur über sumpfige Moorwege erreichbar oder hatten Beschilderungen wie "Newfoundland Power" oder "NL Hydro only". Dort fahren nur die Wartungstrupps mit ihren geländegängigen, mobilen Hubarbeitsbühnen, umgangssprachlich auch "CherryPicker" gennant, die manchmal in Gruppen auf Parkflächen an den Highways stehen.
So kamen wir am späten Nachmittag an und betraten das wenig einladende Büro, davor ein unbefestigter, mit Wasserpfützen übersäter Platz mit fetten Wohnmobilen, die dicht an dicht standen. Was für ein Glück, dass wir den Stellplatz Nummer 12 zugewiesen bekamen. Der war schön im hinteren Teil gelegen und mit etwas Buschwerk umrandet, ohne direkten Nachbarn. Hier hätten wir uns sicher sehr wohlgefühlt, leider war die Steckdose kaputt und es gab keinen Strom.
So mussten wir uns vorne auf den besseren Parkplatz stellen und dazu noch im Laufe des viertägigen Aufenthalts den Stellplatz wechseln. Am ersten Tag standen wir auf der Nummer 1 und hatten sogar WLAN vom Büro aus. Neben der Rezeption gab es zwar einen Aufenthaltsraum, aber der war recht kühl und ungemütlich. Dann mussten wir umziehen, und mit zwei fetten Wohnmobilen rechts und links gab es dort auch kein WLAN mehr.
Die Beschreibung des Platzes: eigentlich bis zu 150 Stellplätze, Dump Station, Sanitärgebäude mit zwei warmen Duschen, Waschmaschinen und Trockner sowie ein kleiner Convenience- und Craft-Shop. Letzterer bestand bis auf ein paar Snacks und Getränkedosen aus leeren Regalen, aber wenigstens konnten wir am nächsten Tag, an dem es den ganzen Tag durchregnete, hier mal in Ruhe waschen.
Als dann endlich die Sonne raus kam, haben wir den Wasserfall direkt um die Ecke besucht, es gibt auch Wanderwege am Fluss und man soll wohl öfter Elche hier sehen.
Insgesamt war das der Platz, an dem wir uns am wenigsten wohlgefühlt haben während der gesamten Reise. Unsere Laune besserte sich dann noch ein wenig, weil zwei Nächte lang nebenan Nachbarn standen, die ihr Starlink nicht verschlüsselt hatten. So konnten wir hier an den kalten Abenden mit laufender Elektroheizung im Camper noch einiges im Internet erledigen.
Weiter auf dem Viking Trail geht es auf den zusätzlichen Einzelseiten hinter der Nord-Auswahl.





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