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MEDERSA BEN YOUSSEF

Bei einem Aufenthalt in Marrakesch gehört die Besichtigung der Medersa Ben Youssef zum Pflichtprogramm. Uns hat es hier sehr gut gefallen, das Ambiente war trotz Besucherandrang schöner als im Bahia-Palast und die Ausstattung prächtiger als im El-Badi Palast.

Die Medersa befindet sich in der nördlichen Medina und ist vom Djemaa el-Fna in etwa zehn Minuten zu Fuß zu erreichen. In den Souks entdeckt man ab und zu auch eine Beschilderung, die den Weg zur alten Koranschule weist. Geöffnet ist ab 9:00 Uhr und je nach Jahreszeit bis 18:00 oder 19:00 Uhr.

Die um das Jahr 1340 gegründete Koranschule zählt zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und bietet mit ihren filigranen Stuck- und Mosaikarbeiten einen Einblick in die meisterhafte islamische Baukunst. Wir sind zu Fuß aus der südlichen Medina hierhergekommen. Alleine ist man hier natürlich nie, aber das Gebäude ist weitläufig und es gibt immer wieder mal kurz ein paar stille Ecken.

Diese Koranschule wurde vermutlich schon am Anfang des 14. Jahrhunderts vom marokkanischen Monarchen Abou el Hassan gegründet. Doch erst unter der Herrschaft der Saadier, die das Gebäude 1570 prachtvoll ausbauten, erblühte die Medersa zur größten theologischen Hochschulen Nordafrikas. Sie wurde nach Sultan Ali Ben Youssef benannt, einem almoravidischen Herrscher, der im 12. Jahrhundert regierte und Marrakesch maßgeblich ausbaute.

Die Medersa diente fast 400 Jahre lang als religiöses, juristisches und pädagogisches Ausbildungszentrum. Hier wurden die Lehren des Islam und seine Integration in das tägliche leben studiert, und Gelehrte aus ganz Nordafrika kamen, um ihre Kenntnisse weiterzugeben oder zu erweitern. Im 18. Jahrhundert wurde die Medersa aufgegeben und verfiel. Im 19. Jahrhundert wurde sie vom alaouitischen Sultan Moulay Hassan I. restauriert und als islamische Schule wiedereröffnet.

Sie bot Platz für bis zu 900 Schüler, die den Koran und islamisches Recht studierten. Die Medersa blieb bis 1960 aktiv, bevor sie geschlossen und später in ein Museum umgewandelt wurde. Das Königshaus unterstützte die Koranschüler mit Lebensmitteln und Unterkunft, kochen mussten die Studenten jedoch selbst.

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Jahr 1999 wurde die Medersa Ben Youssef der Öffentlichkeit wieder als Museum zugänglich gemacht. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch. Die Schönheit der Medersa zieht Architekturliebhaber, Historiker und Reisende gleichermaßen an. Der Eintritt kostet 50 MAD, damit ist es eine der günstigeren Sehenswürdigkeiten. Man kann die Tickets auch online buchen.

Ein Führer ist hier nicht unbedingt nötig. Wer sich die Koranschule in halbwegs ungestörter Atmosphäre ansehen will, sollte versuchen, möglichst frühzeitig hier zu sein und so den zahlreichen Touristengruppen zu entgehen. Wir waren am Nachmittag vor Ort und es war zwar voll, aber nicht unerträglich. Das war nur der Anblick einiger "halbnackter" Touristinnen, die von islamischer Etikette noch nichts gehört hatten und Instgramm-mäßig gestylt hier auf Erkundungstour durch die Koranschule gingen.








Rundgang

Schon das Bronzetor, durch das man die Koranschule betritt und das mit filigranen Schnitzereien aus Zedernholz und Mosaiken verziert wurde, ist ein anmutiges Meisterwerk seiner Zeit. Besucher können hier bei einem Rundgang die kunstvolle Architektur bewundern und in die Geschichte und Kultur des islamischen Marokkos eintauchen.

Hinter dem Eingangstor führt ein Gang am Ticketschalter vorbei zum Treppenhaus, dort geht es seitlich durch eine zweiflüglige Tür mit vielen geometrischen Ornamenten in den weitläufigen Innenhof, der von symmetrischen Arkaden umgeben ist. Die Tür im kunstvollen Maschrabiyya-Holzgitter-Stil hat einen hufeisenförmigen Aufsatz mit dekorativen Zacken, der den umgebenden Torbogen nicht ganz ausfüllt, damit das Treppenhaus genug Licht bekommt. Der Innenhof ist mit Marmor ausgelegt, und in der Mitte befindet sich ein aufwendig verziertes Wasserbecken. Wie so oft auch hier ein zentrales Element islamischer Architektur, in diesem Fall diente es neben seiner kühlenden Funktion auch der vom Koran vorgeschriebenen "kleinen Waschung" vor dem Besuch der angeschlossenen Moschee.

Die offenen Fenster in der ersten Etage sind ein beliebtes Fotomotiv, der Partner steht unten im Hof und die Damen schauen möglichst malerisch herunter in den Hof. Daher gibt es oben vor den kleinen Räumen auch immer einen Stau, denn Selfies vor dem Fenster müssen natürlich auch noch gemacht werden.

Der gesamte Innenhof ist von schönen Mosaiken eingefasst, die Wände und Säulen werden von herausragende Schnitz- und Stuckarbeiten geschmückt. Die Mosaiken werden Zellige-Fliesen genannt und bestehen aus glasierten Mosaikfliesen.

Die kunstvollen Stuck-Ornamente enthalten häufig arabische Schriftzüge und geometrische Muster, die Typisch sind für die islamische Ästhetik. Besonders beeindruckend ist die Kalligrafie, die Verse aus dem Koran zitiert und die spirituelle Bedeutung des Ortes unterstreicht.

Den besten Blick auf dieses Meisterwerk orientalischer Baukunst hat man aus der oberen Etage. Hier befinden sich auch die Kammern der Koranschüler, die um den großen Patio herum und die sich dahinter anschließenden neun kleinen Innenhöfe angeordnet sind.

Die Medersa verfügte insgesamt über 132 kleine Wohnräume. Diese Zimmer waren einfach eingerichtet und dienten den Studenten als Schlaf- und Arbeitsräume. Trotz der Schlichtheit dieser Zimmer vermitteln sie einen Eindruck davon, wie das tägliche Leben der Schüler in der Medersa aussah. Dazu muss man sich die fehlende Inneneinrichtung wohl landestypisch mit Teppichen, Kissen, Schlafmatten und niedrigen kleinen Tischen vorstellen. Wenn man einige der Räume für die Lehrer reserviert, so ergibt sich bei der genannten Zahl von 900 Studenten eine theoretische Belegung von 8 Studenten pro Raum - das erscheint uns doch etwas viel. Wir vermuten daher, das diese Räume für Studenten von weither gedacht waren, ohne Familie vor Ort und mit wenig Geld, die übrigen haben nebenan in der Medina zu Hause oder bei Verwandten gewohnt.

Neben dem Patio befindet sich ein prächtiger Gebetssaal, dessen räumliche Aufteilung durch drei Marmorsäulen bestimmt wird. Hier sollte man auf jeden Fall den Blick nach oben richten, denn die beeindruckende Decke ist ein kunstvolles Werk aus Zedernholz mit Sternmotiven.











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