| Weltreisen | Marokko | Entlang der N9 | Site-Map | HOME |
| Dorfspaziergang |
Ksar Nasrate ist ein befestigtes Dorf in der Provinz Zagora, Region Draa-Tafilalet im Südosten Marokkos und es liegt nur einen kurzen Spaziergang von der Casa Juan entfernt. In diesem schönen Haus am Rande der Wüste haben wir vier Nächte gewohnt und dabei kurz auch den Hausherren und Fotografen Juan Antonio Munoz getroffen.
Betreut wurden wir im Haus von dem liebenswerten Abdou, der guten Seele der Casa Juan. Er machte sich an einem Morgen mit einer Familie aus den USA mit drei Jungen auf den Weg, um das benachbarte Dort zu erkunden und wir schlossen uns gerne dieser Führung an.
Der Weg führt erstmal duch die Dünen direkt vor dem Hotel, dabei sahen wir einige Blüten und Insekten, die sich seit den letzten Regenfällen hier zeigten. Wir sahen Ameisen, Käfer und sogar Taubenschwänzchen und einen Bläuling, mehr dazu auf der Seite Kamele und Raupen.
Wir liefen gemeinsam durch die Gassen von Ksar Nefrate, einem weniger bekannten Juwel, das mit seiner typischen Lehmziegelarchitektur und friedlichen Umgebung einen guten Einblick in das ländliche marokkanische Leben bietet. Es gibt hier zwar tiefe Wasserrinnen für die Bewässerung neben der Straße, aber die waren alle trocken, einige auch beschädigt.
Abdou zeigte uns einen einfachen Brunnen, aus dem die Anwohner ihr Trinkwasser für den Haushalt mit Hilfe von Eimern ziehen. Die Jungs durften auch mal einen hochziehen, doch was für sie eher ein Spaß war ist für die Frauen hier im Dorf harter Alltag. Der Wasserspiegel liegt hier etwa 15 Meter unterhalb der Oberfläche.
Die Bewässerungsmethoden für die Landwirtschaft der Oasen rund um die Dörfer wurden schon vor Jahrhunderten entwickelt. Die Systeme und all ihre heute existiernden Teile sind nicht das Resultat von abstrakter Planung, sondern das Ergebnis einer ständigen Entwicklung die solange andauern wird, solange es Wasser gibt.
Das gesamte Draa-Tal, das südlich von Zagora bis M’Hamid reicht, war einst von üppigen Palmenhainen geprägt. Durch Klimawandel, Übernutzung und sinkende Grundwasserspiegel sind heute leider viele dieser Oasen bedroht.
Es gibt hier im Dorf auch noch ein paar der alten, traditionellen Brunnen mit drei Säulen. Diese Säulen und die Umrandung des Brunnens sind aus Lehm gebaut, ein typisches Baumaterial in dieser Region, da es leicht verfügbar, isolierend und umweltfreundlich ist. Die Säulen dienen als Stützen für eine Querstrebe, an der üblicherweise ein langer Hebelarm mit Seil und Schöpfeimer befestigt war, ähnlich wie bei den Brunnen in der ungarischen Pusta. Heute liegt der Wasserspiegel dafür zu tief, die Haushalte holen sich Wasser mittels Schöpfeimer und Seil, welches jetzt über eine Rolle über dem Brunnen geführt wird. Für die Bewässerung der Felder sind etliche armdicke Kunststoffleitungen verlegt, die alle hier in Bodenhöhe im Brunnenschacht enden, und an die bei Bedarf jeweils eine Pumpe angeschlossen werden kann.
In Berberdörfern ist der Brunnen oft ein Treffpunkt, an dem sich die Gemeinschaft versammelte, um Wasser zu holen, Neuigkeiten auszutauschen oder soziale Kontakte zu pflegen. Das Design mit der erhöhten Struktur hilft, den Zugang zu erleichtern und gleichzeitig das Wasser vor Verschmutzung zu schützen. Derartige Brunnen sind typisch für Oasendörfer im Draa-Tal oder ähnliche Regionen nahe Zagora, wo Palmenhaine die Landschaft dominieren. Sie spielen eine zentrale Rolle im Leben der Gemeinschaft, besonders in ariden Gegenden.
Im Dorf waren die Lehmmauern an größeren Gebäuden mit Bildern geschmückt, die traditionelle Bauten und Berglandschaften zeigen. Die Regenfälle hatten an einigen Stellen den Lehm darüber fließen lassen.
Wir kamen bei unserem Rundgang auch an der großen Moschee vorbei, die wir uns ja leider in Marokko nur von außen anschauen dürfen. Für die Bewohner des Ortes ist sie ein wichtiger Ort mit religiöser und kultureller Bedeutung. Auf dem Platz davor trafen sich einige Einheimische, hier gibt es auch einen kleinen Laden und auch der Schulbus parkte hier.
Dann besuchten wir in einer engen Seitengasse den örtlichen Schmied. Der hockte in einem ziemlich dunklen Raum voller Staub auf dem Boden und ging seiner täglichen Arbeit nach, ließ sich von den Besuchern nicht sonderlich ablenken. Die Kinder der Gruppe durften mal das mit Fahrradmechanik handbetriebene Gebläse bedienen, mit dessen Hilfe die Kohlen in der Esse zur Weißglut angefeuert werden.
Einzige natürliche Lichtquelle im Raum war ein kleines Fenster, durch das ein Sonnenstrahl in den Raum fiel. Durch den Staub sah dies recht malerisch aus, zeigte aber nur die Luftverschmutzung in dem kleinen Raum, hier fiel aufgrund des Kohlenfeuers das Atmen schwer.
Beschäftigt war der Schmied mit einfachen Arbeiten, hier werden grundlegende Werkzeuge aus Stahl, landwirtschaftliche Geräte wie Hacken, Sicheln, Messer und Pflugteile und andere Alltagsgegenstände hergestellt oder repariert.
Auch Amboss, Hämmer, Zangen und andere Werkzeuge sind oft von den Schmieden selbst gefertigt. Viele sind Autodidakten, die ihr Wissen innerhalb der Familie erlernt haben. Alte Metallteile werden häufig recycelt und zu neuen Werkzeugen verarbeitet. In Dörfern mit Arbeitstieren wie Eseln oder Pferden beschlagen die Schmiede auch Hufe und reparieren die Hufeisen.
Unten ist ein eigenes Video aus der Schmiede zu sehen. Durch die Dünen liefen wir dann wieder zurück zur Casa Juan.
Eigenes Video zum Thema
Google Map zum Thema
| Weltreisen | Marokko | Entlang der N9 | Allgemeines | HOME |
| Datenschutz | Impressum |