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Am Morgen pakten wir nach dem Frühstück im Auberge Le Festival in der Todra-Schlucht ganz in Ruhe unsere Koffer und machten uns auf den Weg zur nächsten Unterkunft, der Casa Juan bei Kfar Nasrate südlich von Zagora.
Die Fahrt von Tinghir über Serdrar nach Zagora ist eine beeindruckende Reise durch die Wüsten- und Berglandschaften des südlichen Marokkos. Die Route umfasst etwa 240 Kilometer und dauert rund 3,5 bis 4 Stunden mit dem Auto. Hier ist man auf sehr verkehrsarmen, aber gut ausgebauten Nebenstrecken unterwegs und fährt vorbei an ursprünglichen Dörfern. Da es einen Monat zuvor geregnet hatte, waren viel Hügel unterwegs mit zartem Grün überzogen. Immer wieder standen an den kargen Berghängen große Gruppen von hellen Bienenstöcken, die hier in Form von flachen Würfeln mit etwas Abstand voneinander aufgestellt sind. Es muss wohl eine Menge blühender Pflanzen hier geben, auch wenn wir Laien wenig davon gesehen haben.
Die Straße führt durch Alnif und das Draa-Tal, das für seine Oasen und die historische Bedeutung als Karawanenroute bekannt ist.
Leider hatten wir uns schlecht vorbereitet, denn die Fahrt führte ab Alnif weiter in den Süden über die N21. Kurz hinter Tazzarine gab es dann viele Stände und Verkäufer mit Fossilien am Straßenrand. Da sind wir vorbeigefahren, auch wenn das Angebot sehr verlockend aussah. Aber wer schleppt schon schwere Steine im Koffer nach Hause?
Später haben wir dann recherchiert und gesehen, dass wir hier doch einiges verpasst haben.
Serdrar, im Südosten Marokkos nahe Tazzarine gelegen, ist bekannt für seine reichen Fossilienvorkommen, insbesondere aus dem Devon-Zeitalter. Die Fundstelle etwas weiter bei Errfoud ist bekannter, aber auch hier gibt es wohl einiges zu sehen.
Hier in der Region findet man Schichten wie die "Ceratarges-Couche", die hervorragend erhaltene Trilobiten enthalten. Der Begriff leitet sich von einer Gattung der Trilobiten ab, Ceratarges, die in diesen Schichten häufig gefunden wird. Die Fossilien werden oft mit präziser Detailtreue erhalten, was auf die besonderen Sedimentationsbedingungen zurückzuführen ist, unter denen die Tiere hier versteinerten.
Diese marinen Gliederfüßer, die vor über 400 Millionen Jahren lebten, sind bei Sammlern und Wissenschaftlern gleichermaßen beliebt und bieten einen faszinierenden Einblick in die Erdgeschichte.
Die geologische Geschichte der Region ist besonders spannend, da sie einst von einem prähistorischen Meer bedeckt war. Dieses hinterließ Fossilien von urzeitlichem Meeresleben, Pflanzen und sogar Überreste aus dem Kambrium vor etwa 500 Millionen Jahren. Diese Fossilien sind in den Gesteinsformationen der Umgebung eingebettet und machen die Gegend zu einem beliebten Ziel für paläontologische Touristen.
Besucher können geführte Touren und Exkursionen unternehmen, bei denen sie selbst Fossilien finden und studieren können. Daher auch die vielen Fossilienläden, die bereits perfekt präparierte Exemplare verkaufen. Diese kann man auch schon in vielen Unterkünften überall im Land bewundern.
Das nahegelegene Camp Serdrar bietet Unterkünfte und Ausflüge zu den Fossilfundstellen sowie zu weiteren Sehenswürdigkeiten wie Sanddünen und prähistorischen Felsgravuren an. Es ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden und steht für den nächsten Besuch auf unserer Liste.
Wir näherten uns Zagora und die Landschaft wurde immer grüner. Es gab sogar kleine Seen und stellenweise weggespülte Straßenräder oder defekte Brücken, Anzeichen von heftigen Regenfällen ein paar Wochen zuvor. Aber auch die ersten Sanddünen tauchten am Straßenrand auf.
Im dem größten Ort des Draa-Tals, findet man die berühmte Tafel "Timbuktu 52 Tage", ein Relikt aus der Zeit, als Zagora ein wichtiger Ausgangspunkt für Karawanen nach Westafrika war. Das Vallée du Drâa zieht sich von Ouarzazate über 1100 km bis an den Atlantik, wenn der Drâa Wasser führt. Das Tal ist für viele Marokkokenner das schönste Tal und eine der eindrucksvollsten Landschaften des Landes.
Von hier aus waren es dann noch 62 Kilometer oder knapp eine Stunde Fahrt bis zu unserer nächsten Unterkunft. Dabei kamen wir im Ort Tamegroute vorbei, bekannt für seine einzigartige Keramikkunst, insbesondere die charakteristische grüne Keramik. Diese besondere Glasur entsteht durch eine Mischung aus Kupferoxid, Mangan und Ton, der aus dem Flussbett des Draa gewonnen wird. Die Herstellung erfolgt vollständig in Handarbeit, wobei jede Töpferfamilie in Tamegroute einen eigenen Ofen besitzt und die Techniken von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Die grüne Keramik wird aus lokalem Ton geformt, bemalt und in Lehmöfen gebrannt. Das Ergebnis sind Unikate mit rustikalem Charme, die sowohl funktional als auch dekorativ sind. Neben der traditionellen grünen Glasur gibt es auch Varianten in Braun- und Gelbtönen, die durch die Verwendung von Eisenoxid erzielt werden. Tamegroute-Keramik ist vor allem für Schalen, Vasen und Servierplatten bekannt und erfreut sich auch international großer Beliebtheit. Natürlich findet man diese Vorzeigestücke auch in vielen Unterkünften, zum Teil als beflanzte Kübel oder als Dekoration.
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