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Am Morgen erwachten wir auf dem Campingplatz in Rocky Harbour mit blauem Himmel. Es war richtig warm, und wir entschieden uns für eine Fahrt entlang der Küste bei diesem Traumwetter. Die beiden Bootsfahrten auf dem Western Brook Pond waren ausgebucht. Gut, dass wir nicht für den nächsten Tag gebucht hatten, denn da hat es nur geregnet und wir hatten einen langen Fahrtag in den Norden vor uns und somit keine Zeit mehr dafür.
So fuhren wir mit dem Camper zuerst zum Lobster Cove Head Lighthouse, wo wir den letzten freien Parkplatz für unser kleines Monster bekamen. Der weiße, runde Leuchtturm steht spektakulär auf einer felsigen Landspitze an der Westküste des Gros Morne National Park. Er wurde 1898 in Betrieb genommen, um Fischer und Schiffe sicher in die Bonne Bay zu geleiten.
Aussergewöhnlich ist das Material: Nicht mit Holz gebaut, sondern aus gusseisernen Fertigbauteilen von den Victoria Iron Works in St. John's zusammengesetzt. Die Leuchteinheit aus Kerosinlampe und Drehmechanismus stammt von der berühmten englischen Firma Chance Brothers aus Birmingham und musste 1894 für 4 Jahre lang zwischengelagert werden, bis der Turm fertig war. Die bidirektionale Lampe dreht sich 12 Mal pro Minute, so wird alle 2,5 Sekunden ein Lichtblitz ausgesendet.
Zum Leuchtturm gehört auch das ehemalige Wohnhaus des Leuchtturmwärters. Dort befindet sich ein kleines, informatives und sehr liebevoll eingerichtetes Museum, in dem heute die Geschichte der Menschen erzählt wird, die hier draußen an der Küste lebten und arbeiteten.Man sollte auf jeden Fall hineingehen und mit den netten Parkmitarbeitern ein Schwätzchen halten. Man kann historische Fotografien bewundern, in den Aufzeichnungen und Logbüchern der Leuchtturmwärter lesen, sich Tonaufnahmen traditioneller Volkslieder anhören und es gibt eine beeindruckende Sammlung von Ugly Sticks.
Man kann sich sogar an den Küchentisch setzen und mit den Mitarbeitern über das Leben der Familien der Leuchtturmwärter sprechen. Die Ausstellung ist täglich vom 15. Mai bis 12. Oktober, 09:00 bis 17:00 Uhr, geöffnet. Das Programm "Life at the Lighthouse" dauert etwa 30 Minuten und ist kostenlos mit dem Parkeintritt.
Die Geschichte des Leuchtturms erzählt auch etwas über das Leben an dieser Küste. Ende des 19. Jahrhunderts machten sich die Bewohner große Sorgen um Fischer, die nach Einbruch der Dunkelheit noch draußen auf dem Meer waren. Schon bevor der Leuchtturm gebaut wurde, hatte ein örtlicher Fischer deshalb ein Licht in seinem Haus entzündet, und die Bewohner unterstützten ihn dafür mit Öl.
1897 ging dann der richtige Leuchtturm in Betrieb. Damit wurde Lobster Cove Head zu einem wichtigen Orientierungspunkt für die Schiffe, die entlang der Westküste unterwegs waren und in die Bonne Bay einliefen.
Wir waren zwar am Morgen dort, aber der Ort ist vor allem bekannt für Whale Watching zu einer etwas späteren Jahreszeit und für seine schönen Sonnenuntergänge. Wenn man es sich aussuchen kann, sollte man einen Besuch am späten Nachmittag oder zum Abend hin einplanen.
Wir werden im Juni 2027 noch einmal drei Nächte in Rocky Harbour übernachten, vielleicht kann ich Euch ja dann auch Bilder vom Sonnenuntergang zeigen, falls das Wetter mitspielt.










Der Leuchtturm ist sehr fotogen und die Ausstellung interessant, aber eigentlich ist die Landschaft draußen der Star. Wir liefen zuerst begeistert um den Turm, um die richtigen Fotopositionen zu finden. Lobster Cove Head liegt unmittelbar nördlich von Rocky Harbour an der Einfahrt zur Bonne Bay und bietet den Blick sowohl hinaus auf den Golf von St. Lawrence als auch zurück entlang der Küste nach Rocky Harbour.
Rund um den Leuchtturm gibt es kurze Wege durch den typischen Tuckamore-Wald. Das sind von Wind und Salz geformte, oft bizarre und niedrig wachsende Nadelbäume. Die schmalen Wege führen zu felsigen Aussichtspunkten über den Golf von St. Lawrence, und man kann hier über Holztreppen zu kleinen, von Felsen eingefassten Stränden gelangen. Hier oben im Schutz einer niedrigen Baumreihe liegt auch der ehemalige Gemüsegarten der Leuchtturmfamilie.
Bei Niedrigwasser kann man entlang der felsigen Küste gehen und die Tide Pools erkunden. Dort findet man beispielsweise Napfschnecken und mit viel Glück auch mal Anemonen, kleine Fische und Krabben oder Seesteerne. Parks Canada empfiehlt dafür ausdrücklich Gummistiefel und warnt vor plötzlich herannahenden Wellen. Bei unserem Besuch war das Wasser ruhig, es gab kaum Wind und das Wasser zog sich gerade zurück.
Wir sind ein bisschen herumgelaufen und haben auf den Büschen Weißkehlammern (Zonotrichia albicollis) entdeckt. Sie ist an ihrem auffälligen weißen Kehlfleck, dem schwarz-weiß gestreiften Scheitel und dem charakteristischen gelben Fleck zwischen Schnabel und Auge zu erkennen. Und vor allem an ihrem melodiösen, weithin hörbaren Gesang. Wir konnten hier schöne Aufnahmen machen, da die Vögel ziemlich tief auf den vom Wind gestutzten Bäumen saßen und ihr Frühlingslied trällerten. Direkt auf dem Geländer am Felsabbruch zum Strand hatte eine gut getarnte braun getupfte Grasammer (Passerculus sandwichensis) ihren Stammplatz und war eifrig am singen.
Nach dem Besuch am Leuchtturm fuhren wir dann in Richtung Norden, weiter die Küste entlang.














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