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| Abendspaziergang |
Ein Aufenthalt in Skoura in der Provinz Ouarzazate bedeutet, in einem schönen Palmenhaine zu wohnen, der sich über 25 km² erstreckt. Unzählige hohe Dattelpalmen wachsen hier und dazwischen liegen üppige Gärten mit Oliven-, Feigen- und Granatapfelbäumen. Auf den Feldern werden hauptsächlich Getreide wie Gerste, Weizen, aber auch Bohnen, Kartoffeln, Kohl, Möhren etc. angebaut. Die weitgehend immer noch nach den Prinzipien der Selbstversorgung lebenden Bewohnern haben so ausreichend Nahrung.
Wir haben drei Nächte in der L'Ma Lodge gewohnt, haben die schöne, im 17. Jahrhundert erbaute Kasbah Amridil besucht und sind in ein Bergtal bis zum Ort Asaka Kantoula hinauf gefahren. Das war eine Sackgasse und wir mussten auf der gleichen Strecke wieder zurück.
Die Kleinstadt Skoura hat etwa 4.300 Einwohner, sie das wirtschaftliche Zentrum einer aus mehreren Dörfern bestehenden Landgemeinde mit insgesamt ca. 12.000 Einwohnern. Die Bevölkerung besteht nahezu ausschließlich aus Angehörigen verschiedener Berberstämme der Umgebung.
Inmitten der Palmen liegt auch die ruinöse und in Vergessenheit geratene Kasbah von Caïd Abdellah Aït Chaïr, hier befand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Kommandozentrale der Oase Skoura. Die riesige Anlage besteht aus mehreren ineinander verschachtelten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, großen Innenhöfen und Ställen. Später diente der Hof der Hauptkasbah bis 1970 als Gefängnis, mit Stahltüren, die von außen mit schweren Riegeln versehen wurden. Die großen Fenster hinter den verzierten Fenstergittern wurden auf kleine Luftlöcher reduziert.
Sehenswert ist hier eigentlich nur der ältere Ortsteil mit den Palmenoasen und den oft zu schönen Hotels umgebauten Kasbahs.
Im Frühjahr und nach den äußerst seltenen Sommerregenfällen füllt sich das ansonsten ausgetrocknete Kiesbett des Oued El Hajaj oder des Oued Skoura mit Wasser, das zur Bewässerung der Palmenoasen und der Felder dient. Der Klimawandel führt aber zu einer Verringerung der Regenfälle in der Region, was die natürliche Wiederauffüllung von Grundwasser und Oberflächengewässern beeinträchtigt. Auch durch die intensive Nutzung für Bewässerung, insbesondere für moderne Landwirtschaft und Tourismus, sinkt der Grundwasserspiegel kontinuierlich.
Eine Woche nach unserer Abfahrt hat es hier heftg geregnet und sogar gehagelt. Wir fanden in einer Ausstellung auch Bilder mit Palmen im Schnee, der Hohe Atlas ist nicht weit.
Der sonst recht verschlafen wirkende Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen der Umgebung. Den im etwas außerhalb gelegenen Gelände stattfindenden großen Wochenmarkt haben wir leider verpasst.
Inmitten des Palmenhains liegen teilweise verfallene Erdfestungen, andere bewahren immer noch ihre einstige Schönheit, weil sie zu Hotels oder kleinen Museen umgebaut wurden. Jede hat ihre eigene Geschichte, die an die Lebensweise der örtlichen Bevölkerung erinnert.
Wir sind an einem späten Nachmittag von der Lodge aus zu Fuß durch die Nachbarschaft spaziert und konnten so im schönen Abendlicht einige der zerstörten oder verwitterten Gebäude fotografieren. Das ist das typische Bild in vielen Orten hier im Süden. Hier ist es weniger ein Spiegel kriegerischer Ereignisse als vielmehr der Verwitterungskräfte, denen so ein Lehmbau auf Dauer ohne ständige Pflege nicht gewachsen ist. Die Berber bauen gerne neue und moderne Häuser neben den Alten, wer kann es ihnen verdenken.
Bei einem Rundgang im Skoura erkennt man gut, wie die Bewässerung der Oase einst funktionierte: überall, aber besonders im Norden, findet man Reste von Khettaras. Diese traditionellen unterirdischen Kanäle, die Wasser effizient transportieren, sind oft nicht mehr funktionsfähig oder werden durch den sinkenden Grundwasserspiegel unbrauchbar.
Palmen sind auf eine konstante Wasserversorgung angewiesen. Der Wassermangel der letzen Jahre führt dazu, dass immer mehr Palmen absterben, was das Ökosystem der Oase gefährdet. Durch ineffiziente Bewässerung und Wasserknappheit kommt es zur Versalzung des Bodens, was die landwirtschaftliche Nutzbarkeit weiter einschränkt. Neue Pumpensysteme entnehmen oft unkontrolliert Wasser, was das Problem verschärft. Ein Teufelskreis.
Das ist nicht nur hier in Skoura so, sondern im ganzen Süden von Marokko. Wir sahen einige abgestorbene Palmen, die heftigen Regenfälle im September 2024 ließen aber einige bereits vertrocknete Exemplare oben wieder ergrünen.
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